Was ich gerne vor der Geburt gewusst hätte

Vor der Geburt meines ersten Kinders habe ich Bücher verschlungen. Auf Probleme und Wissenslücken war meine Antwort schon immer: Bücher lesen. Irgendwo wird die Antwort schon stehen. Ich muss sie nur finden. Im Bücherregal meiner Eltern fing es an. Dann kamen die Schulbibliothek und die Stadtbücherei dazu. Seit Einzug des Internets ist die Hürde, etwas Bestimmtes zu erfahren, so niedrig wie nie zuvor.

Als Service für dich verlinke ich in meinen Beiträgen Produkte oder Dienstleistungen. Manchmal sind das Affiliate-Links. Ich erhalte also eine Provision, ohne dass du mehr zahlst. Affiliate-Links sind mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet.

Ja, die Bücher als Geburtsvorbereitung waren extrem hilfreich. Hier habe ich zehn hilfreiche Bücher rund um die Geburt zusammengefasst.

Es gibt allerdings ein Problem, was ich nicht bedachte: Zwar steht in allen Büchern, dass Geburten nicht vollständig zu planen seien. Ich wollte es aber doch.

Ich fühlte mich ein bisschen wie Hermine Granger. Buch gelesen, Inhalt verstanden, Prüfung (=Geburt) eine Leichtigkeit.

Bild von Olga Kukova

Mitnichten.

In Harry Potter und der Stein der Weisen* steht irgendwann die erste Besenflugstunde an. Und Harry beobachtete, dass Hermine sich sehr unsicher fühlte. Denn Besenfliegen konnte sie eben nicht aus einem Buch lernen. Man muss es umsetzen. Die Theorie kann helfen, aber wenn du noch nie auf einem Besen gesessen hast, hast du keine Ahnung, wie sich der Flug anfühlen wird.

Nun ja. Wir wissen alle, dass Harry intuitiv den Besen ritt, als hätte er sein Lebtag nichts anderes getan. Und Hermine es irgendwann auch drauf hatte. (Und Ron als Hüter viel später den Pokal für Gryffindor sicherte — aaah, wo sind eigentlich meine Harry-Potter-Ausgaben?? Ich will lesen!)

Zurück zum Thema.

Mir ging es ähnlich wie Hermine.

Ich wollte alles wissen. Ich wollte den Überblick haben. Ich wollte ganz bestimmt nicht verkacken wegen mangelnder Vorbereitung. Also bereitete ich mich vor. Mit Büchern, Kursen und Gesprächen mit der Hebamme.

Meine Schwachstelle

Eigentlich wusste ich es. In allen Büchern stand es drin: Geburt ist nicht planbar. Du kannst sie vorbereiten, klar. Und dann musst du dich darauf einlassen, dass es anders kommen könnte als gedacht.

Ich wollte es nicht wahr haben.

Vor allem wollte ich nicht wahrhaben, dass ich trotz all meiner Vorbereitung nicht in mir ruhen würde. Die Wellen kamen. Ich erwartete von meiner Hebamme, etwas zu tun. Ich erwartete von ihr, mich zu „retten“ — obwohl ich das natürlich nie zugegeben hätte. Immerhin war ich [hust hust] perfekt vorbereitet. Vieles konnte ich mir vor der Geburt unseres Sohnes vorstellen. Aber nicht, dass ich die Entscheidungshoheit abgeben wollte. Immerhin wollte ich ja zu Hause bleiben, um genau nicht im Krankenhaus gesagt zu bekommen, was ich tun sollte.

Bild von Alexander Grey

Und so haderte ich nach der Geburt mit mir, weil sie so anders gelaufen war als gedacht.

Meine Schwäche war, dass ich vorher glaubte, allein am besten durch die Geburt gehen zu können. Doch ich brauchte Anleitung von außen.

Was ich gern vor der Geburt gewusst hätte

Wenn mich heute, nach insgesamt vier Geburtserfahrungen, eine Freundin fragt: „Was hättest du gerne vor der Geburt gewusst?“, kann ich viele Themen ansprechen:

Aber das alles steht zurück hinter dieser einen Erkenntnis:

Gebären ist wie Besenfliegen*: Eine theoretische Grundlage ist super. Die Erfahrung wird dir zeigen, wo dabei deine Stärken und Schwächen liegen.

* wahlweise kannst du hier auch Fahrradfahren, Schwimmen, Reiten, Tanzen oder sonst was einfügen…

Wir alle haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Und wo diese liegen, erfahren wir erst, wenn es von der Theorie in die Praxis geht. „Übung“ ist bei Geburten eher schwierig zu bekommen.

Und selbst bei Mehrgebärenden sind die Schwächen nicht immer identisch. Manchmal ist es die Angst, manchmal der Schmerz, manchmal die Müdigkeit, manchmal die Länge oder Kürze der Geburt.

Bild von Isaac Hermar

Umso wichtiger ist ein Umfeld, indem wir diese Schwächen erfahren dürfen, ohne dass sie ausgenutzt werden. Wenn wir darauf vertrauen können, dass unsere Schwäche nicht gegen uns genutzt wird, können wir sie überwinden. Und DAS hätte ich wirklich gern vor der Geburt meines ersten Kindes gewusst.

Blogparade: Elternwissen erwünscht

Die Inspiration zu diesem Blogbeitrag kam durch Annikas Blogparade, die noch bis zum 15. Oktober läuft. Falls du also noch mitmachen willst, hau in die Tasten!

4 Gedanken zu „Was ich gerne vor der Geburt gewusst hätte“

  1. Danke für deinen Eintrag=)
    ja, vor 2 Jahren hab ich auch ein Kind zur Welt gebracht. Die Schwangerschaft verlief im Grunde bis zum Schluss problemlos, bis ich in der 36 oder 37 SSW eine mittelschwere Gestosse entwickelt habe und eingeleitetet wurde. Zum Glück ging alles gut. Auch wenn sich das Kleine die Nabelschnur noch mehrmals um den Hals gewickelt hat und sich einen Knoten drauf gemacht hat, bin ich stolz und unglaublich dankbar das wir beide es so gut überstanden haben. Wer hätte gedacht, dass es so kommt. Aus der ganzen Situation nehme ich jedoch auch mit wie stark man ist und das man auch ( fast) völlig unvorbereitet vieles schafft=)

    Antworten
  2. Liebe Katharina,
    vielen Dank für deinen Beitrag zu meiner Blogparade. Ich erkenne mich tatsächlich in sehr vielen deiner Zeilen wieder. Ich bin recht naiv in die erste Geburt gegangen, dachte, die Fachleute dort werden schon mein Bestes wollen… naja… es endete in einem zu dem Zeitpunkt (wahrscheinlich) unnötigen Kaiserschnitt, der mich stark traumatisiert hat. Diese Unwissenheit sollte mir kein zweites Mal zum Verhängnis werden, worauf ich alles las, was ich zu Geburt und Gebären finden konnte. Die zweite Geburt war ein absoluter Traum, vielleicht auch wegen der Vorbereitung… mir hat es auf jeden Fall sehr geholfen, zu wissen, dass ich nicht mehr völlig ausgeliefert bin in dieser besonderen Situation.
    Umso wichtiger finde ich, dass sich Frauen gut vorbereiten können. In meinem Fall war die Schwäche nämlich die Unwissenheit, ich hatte keine Argumente, die ich denen in dem Moment entgegen bringen konnte… :'(

    Antworten
  3. Ich finde es am wichtigsten, dass man im Moment den Fachkräften sagt was man braucht oder jetzt gerade gut tun würde. Ich habe mich bei meiner 1.Geburt auf die Hebammen verlassen und dachte mir, die wissen was sie tun. Doch es war eine Katastrophe. Heute würde ich mich eher wehren wenn mir etwas nicht passt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar