Resilienz im Wochenbett: Fotoprojekt

Der heutige Gastbeitrag ist von Sofie Berz. Sofie sucht Fotos aus dem Wochenbett für ein Studienprojekt. Wenn du magst, hilf ihr gerne auch mit deinen Fotos! Alle Fotos in diesem Beitrag sind von Sofie und Teil des Projekts.

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Um denjenigen gerecht zu werden, die sich mit den Worten „Frau“ oder „Mutter“ nicht identifizieren können, obwohl in ihrer Geburtsurkunde „weiblich“ steht, habe ich mich dazu entschlossen, in meinen eigenen Beiträgen „Mutter“ und „Frau“ jeweils mit dem Inklusionssternchen zu versehen. Ihr werdet also Frau* oder Mutter* lesen (falls der Text von mir kommt und nicht von anderen Menschen). Geschlechtergerechte und inklusive Sprache ist mir ein Herzensthema, allerdings ist (meine persönliche und die gesellschaftliche) Entwicklung dazu noch lange nicht abgeschlossen. Mal sehen, wie ich es in Zukunft angehe. Mehr zum Thema liest du unter anderem hier: Sollte ein Geburtsblog geschlechtsneutral sein, Gebären wie eine Feministin und Sex, Gender, Geburten und die deutsche Sprache.

Brainstorming & Recherche zum Thema

Resilienz im Wochenbett: Fotoprojekt

Resilienz.

Wenn man das Wort in eine Suchmaschine eintippt, erscheinen zwei Definitionen:

1. Die Fähigkeit einer Substanz oder eines Gegenstands, sich zurückzuformen.

2. Die Fähigkeit, sich schnell von Schwierigkeiten zu erholen und sich anzupassen.

Definition Resilienz

In meinem Fotografiestudium an der Hochschule Luzern erhielt ich vor fünf Wochen den Auftrag, ein fotografisches Projekt zum Thema Resilienz zu realisieren. Welcher Aspekt oder welches Unterthema von Resilienz wir behandeln, ist uns freigestellt, am Ende sollte das Projekt aber ein Fotobuch mit Text und Fotografien ergeben.

Der resiliente weibliche Körper

Resilient ist für mich der weibliche Körper, denn er arbeitet und existiert in einem eigenen Zyklus, welcher in unserer Gesellschaft überhaupt nicht berücksichtigt wird. Hormone, Menstruation, Geburt, Menopause – alles Themen, die jede zweite Person auf diesem Planeten betreffen. Dennoch wird nicht wirklich viel Rücksicht darauf genommen , besonders in der Arbeitswelt.

Nach etwas Brainstorming und Recherche habe ich mich dann auf das Thema der Geburt, genauer gesagt auf die Zeit nach der Geburt festgelegt. Für mich ist das eine Zeit, die ganz stark zeigt, wie wenig Wertschätzung die Gesellschaft dem weiblichen Körper gegenüber hat und vor allem wie stark und eben resilient wir dabei sein müssen.

Verformung und Erholung

Für mein Projekt zum Thema Resilienz im Wochenbett sind beide Teile der Definition wichtig, denn einerseits bildet sich der weibliche Körper nach der Geburt zurück, verformt sich in eine neue Form, vielleicht so wie vorher, vermutlich, aber etwas weicher, liebevoller.

Andererseits ist eine Geburt ein einmaliges Erlebnis, sicherlich wunderschön in vielen Fällen aber eben auch extrem anstrengend, physisch wie psychisch. Während meiner Recherche fürs Projekt habe ich erfahren, dass viele Frauen die Geburt als das Ziel eines Rennens sehen. Das Ziel, in dem das Kind endlich da ist und alles überstanden ist.

„Wenn überhaupt Besuch kommt, sollen er gesundes und nährendes Essen mitbringen.“

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Der Marathon Wochenbett

Dabei fängt das Rennen, der Marathon, erst mit der Geburt an. Denn das Wochenbett ist eine Zeit, die geprägt ist von großen Gefühlen, schönen wie auch schwierigen, und aber vor allem körperlicher Anstrengung. Der weibliche Körper heilt, hat vielleicht Nähte von Kaiserschnitten oder Dammrissen, der Milcheinschuss kommt, Schlaf fällt weg, der eigene Körper nährt einen zweiten Menschen.

„Ich war ziemlich überrascht vom Wochenfluss, die Wochenbettbinden reichten da nie aus.“

Durch Interviews mit Frauen, die mir ihre Erfahrungen im Wochenbett geschildert haben, habe ich gelernt, dass sich viele auf diese Zeit nicht so gut vorbereitet fühlen wie zum Beispiel auf die Geburt. Über vieles wird nicht ehrlich gesprochen, im Nachhinein wird sie romantisiert oder verharmlost, und vieles bleibt irgendwie unausgesprochen, fast mythisch. Gleichzeitig ist in unserer Gesellschaft, wie wir leben und arbeiten, nicht wirklich Platz oder Anerkennung, geschweige denn Wertschätzung für das Wochenbett. Die Erwartung ist, nach der Geburt so schnell wie’s geht wieder so zu sein wie vorher: körperlich, emotional und vor allem auf dem Bürostuhl.

„Dank der Hormone musste ich mir die ganze Schwangerschaft nie die Haare waschen, im Wochenbett war das ganz anders, da sieht man schrecklich aus.“

Sichtbares Wochenbett

Mit meinem Projekt möchte ich die Zeit des Wochenbetts sichtbarer machen: was passiert in diesen Wochen, körperlich sowie emotional? Und was für Veränderungen brauchen wir in unserem System und unserer Gesellschaft, um die frischgebackene Mütter und Eltern besser unterstützen können?

Wer hat Fotos aus dem Wochenbett?

Um das Projekt finalisieren zu können, bin ich noch auf der Suche nach Frauen im Wochenbett, die sich fotografieren lassen würden. Es geht mir darum, die Körper, die so ein Wunder vollbracht haben, ehrlich zu zeigen, wie sie sich selbst heilen und ein Kind ernähren.

Andererseits erstelle ich auch eine Sammlung an privaten Fotos von Familien aus der Zeit ihres Wochenbetts. Diese müssen weder professionell noch besonders ästhetisch sein – es geht darum, dass diese Fotos in einem vertrauten Rahmen entstanden sind und sie somit das Wochenbett zeigen, wie es wirklich ist.

„Nach der Geburt dauerte es lange, zurück zur Sexualität zu finden, vor allem wegen meiner Geburtsverletzungen.“

Willst du mitmachen?

Falls du Interesse oder Fragen zu meinem Projekt hast und vielleicht sogar mitmachen würdest, darfst du mich sehr gerne kontaktieren! Bis Mitte März habe ich noch Zeit, um zu fotografieren und allfällige Familienfotos ins Projekt aufzunehmen, danach geht es in die Gestaltung des Buches.

Ich freue mich auf alle, die mithelfen! 🙂

Sofie

Sofie

Ich bin Sofie, 21 Jahre alt und habe mich schon immer sehr für Kunst und Gestaltung jeglicher Art interessiert. Im letzten Herbst habe ich darum ein Fotografie Studium an der Kunsthochschule Luzern begonnen, welches sehr praxisorientiert ist und mir die Möglichkeit gibt, mein Können zu erweitern und an größeren Projekten arbeiten zu können. Nebst der Fotografie liebe ich es zu illustrieren, zu kochen und zu reisen, irgendwo hin wo es warm ist!

Wöchtenliche Updates zu neuen Beiträgen

Katharina Tolle

Wie schön, dass du hier bist! Ich bin Katharina und betreibe seit Januar 2018 diesen Blog zu den Themen Geburtskultur, selbstbestimmte Geburten, Geburtsvorbereitung und Feminismus.

Meine Leidenschaft ist das Aufschreiben von Geburtsgeschichten, denn ich bin davon überzeugt, dass jede Geschichte wertvoll ist. Ich helfe Familien dabei, ihre Geschichten zu verewigen.

Außerdem setze ich mich für eine selbstbestimmte und frauen*-zentrierte Geburtskultur ein. Wenn du Kontakt zu mir aufnehmen möchtest, schreib mir gern!

Foto von Katharina

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