Ich will kein Mitleid

Anna-Elisabeth ist nicht blauäugig in die Geburten ihrer Kinder gegangen. Dennoch lief nicht alles rund. Wenn sie davon erzählt, wird die schnell mitleidig angesehen. Doch dieses Mitleid will sie nicht.

Ich habe zu knabbern

Ich habe zwei Kinder geboren. Beide Geburten liefen nicht wie gewünscht oder geplant. Und an beiden Geburten hatte und habe ich zu knabbern.

Beim Großen war eine Hausgeburt geplant. Nach vielen Stunden Wehen erst zuhause und dann mit reichlich Intervention im Krankenhaus wurde er per Kaiserschnitt geboren.

Beim Kleinen war wieder eine Hausgeburt geplant. Und wieder mussten wir nach langer und intensiver Wehenarbeit ins Krankenhaus verlegen, wo er als VBAC geboren wurde. Leider entwickelte er eine Neugeboreneninfektion und musste in eine andere Stadt in die Kinderklinik verlegt werden. Aufgrund von Coronamaßnahmen durfte ich zwar hinterherfahren, aber mein Mann durfte das Krankenhaus nicht betreten (nachdem er fast schon die Geburt verpasst hatte).

Beide Geburten waren für mich emotional und körperlich extrem schwierig. Ich habe mich nicht wie eine Göttin gefühlt. Ich hatte kein hormonelles High und war nicht stolz, meine Kinder geboren zu haben. Tatsächlich war die Bindung zu meinem VBAC-Kind sogar deutlich schwieriger als zu meinem Kaiserschnitt-Kind. Und ist es teilweise bis heute.

Und doch teile ich die Geschichten ihrer Geburten. Und oft kommt ein: „Das tut mir sehr leid“ oder ein „hier bekommst du Hilfe“.

Und ich merke wie mich das stört. Nicht der Gedanke helfen und unterstützen zu wollen.

Sondern das die Geburt automatisch als „schlecht“ gesehen wird. Als eine Geburt zweiter Klasse.

Die Geburten meiner Kinder waren nicht schlecht

Die Geburten meiner Kinder waren nicht schlecht!!!

Waren sie anders als gewünscht? Definitiv!

Waren sie traumatisch? Zum Teil sicher.

Musste ich sie aufarbeiten? Auf jeden Fall.

Sticht es immer noch wenn andere die Geburt erleben dürfen die ich mir für meine Kinder gewünscht habe? Ja, das tut es und ich glaube ein bisschen wird es immer wehtun.

Gönne ich den anderen Frauen ihre Traumgeburten? Aus vollstem Herzen.

Aber trotz allem waren die Geburten nicht schlecht! Es waren die Geburten meiner Kinder! Es  waren die größten Liebesgeschichten, die ich erleben durfte. Zwischen Schmerz und Trauer steckt auch Liebe!!!

Ich will kein Mitleid

Ich will kein Mitleid!

Warum teile ich dann die Geschichten?

Weil ich weiß, dass unabhängig davon wie sehr ich davon überzeugt bin, dass Geburt eine wunderschöne und stärkende Erfahrung sein kann, die Realität für die meisten Frauen anders ist. Und es mir wichtig ist, dass eine Frau, welche eine unschöne Geburt erlebt hat, weiß: Sie ist nicht allein!!!

Und weil ich meinen Kindern zeigen möchte: Eure Geburt ist nicht weniger wertvoll, nur weil es keine interventionslose Hausgeburt im Kerzenschein war. Eure Geburt war keine Geburt zweiter Klasse!

Eure Geburt ist genau das: Eure Geburt!

Und allein deswegen ist sie es wert, erzählt zu werden.

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