Hausgeburten und rechte Gesinnung

In diesem Beitrag geht es nicht um Tipps und Tricks. Es geht um die Frage, wie ich mich eigentlich positioniere zu Hausgeburten und unserer Politik.

Hausgeburten machen in Deutschland (anders als beispielsweise in den Niederlanden) nur einen verschwindend geringen Teil der Geburten aus. Häufig sind die Mütter und Familien, die Hausgeburten planen, auch sonst eher jenseits des Mainstreams zu finden. Das mag sich äußern in Impfansichten oder im Wunsch, kindergartenfrei zu leben. Insofern ist es nur ein kurzer Weg, diese Familien als grundsätzlich systemkritisch einzustufen.

„Systemkritisch“ bin ich dann also auch. Klar, ich bin kritisch gegenüber einem System, das Apparate höher schätzt als Erfahrung. Ich bin kritisch gegenüber einem System, das die gebärende Frau als alleinige Entscheidungsträgerin und -verantwortliche ablehnt.

Bin ich deshalb „systemkritisch“ per se?

In den sozialen Medien gibt es die Tendenz, Mütter, die sich für ihre Kinder einsetzen, für den rechten Rand zu mobilisieren. Die Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz ist ein Beispiel dafür; die Masern-Impfpflicht ein anderes. Und hier genau fängt das Problem an: Ich mag persönlich einer politischen Maßnahme kritisch gegenüberstehen. Wenn nun der rechte Rand dieser Maßnahme ebenfalls kritisch gegenübersteht, bin ich dann rechts?

Nein, ich bin es nicht.

Und ich grenze mich deshalb auch davon ab. Ich bin in verschiedenen Facebook-Gruppen zum Thema Außerklinische Geburt aktiv. Dort sind vielleicht auch Menschen vom Rechten Rand, die mir einreden wollen, dass ich von der Politik verschaukelt werde, dass mir die Eliten etwas Böses wollen, dass Bill Gates, die Juden oder Homosexuelle es auf die Seelen, Körper und Gedanken meiner Kinder abgesehen hätten. Wann immer mir eine solche Meinung auffällt, widerspreche ich. „Das gehört aber nicht hier in die Gruppe“, heißt es dann. „Hier geht es um Hausgeburten, und nicht um Politik.“ In den Gruppen bleibe ich dann höflich. Hier würde ich gern unhöflich werden. Arschlecken, es ginge nicht um Politik. Es geht immer um Politik. Es geht auch bei mir um Politik. Was meint ihr, warum ich mir die Mühe mache, diese ganzen Plenardebatten zu verfolgen, Abgeordnete anzurufen und mit ihnen zu diskutieren, warum wir mehr Personal und vor allem mehr Zeit und Verständnis für normale Geburtsprozesse haben müssen, statt uns so stark auf die Pathologie zu beschränken!? Weil es eben auch immer um Politik geht.

Keine Schwangere sollte sich Gedanken darüber machen müssen, ob sie sich ihre Wunschgeburt finanziell leisten kann. Ist aber so. Rufbereitschaftspauschale, Doulakosten, Geburtspoolanschaffung, Mütterpflege danach… Es ist nun mal politisch, dass manches von der Krankenkasse übernommen wird und anderes nicht.

Zurück zum Rechten Rand. Hausgeburten sind in der rechtsextremen Szene schon länger ein Thema. Der harte rechte Kern, der vielfach von der Bewegung QAnon gestützt wird, hat nun also Instagram und Mütter für sich entdeckt. Verschiedene Zeitungsartikel berichten, dass auch in Deutschland mit Parolen wie „Kinder gehören den Eltern, nicht dem Staat“ geworben wird. Klar gehören Kinder den Eltern. Ist doch logisch. Kann nicht verkehrt sein. Herzchen drauf. Und schwupps, bekommst du nach und nach andere Botschaften. Das alles immer mit süßen Kinderfotos. Es geht schließlich, so die Masche, um das Wohl der Kinder, das der Staat gefährdet. (Gehören Kinder sich nicht eigentlich selber??)

„Ach, jetzt zitierst du doch bloß die links-grün-versifften Medien. Das kannst du dir sparen.“ Ja und nein. Klar, die Zeit ist schon links. Die Welt dagegen gehört zu Springer. Oder ist Springer jetzt auch schon Teil eines Staatsmediums, wie es dann propagiert wird?

Übringes möchte ich in diesem Beitrag bewusst keine QAnon oder Pastel Q, wie sich der Mutti-Instagram-Ableger nennt, verlinken. Jeder Backlink im Internet stärkt die entsprechenden Seiten, und das will ich nun wirklich nicht.

Ich bin nicht die erste Geburts-Bloggerin, die sich in dieser Richtung äußert. Julia Jonas von Newborn Mothers hatte sich bereits ähnlich positioniert, allerdings nicht auf ihrem Blog, sondern auf Facebook. Ich versuche noch, den Eintrag wiederzufinden…

Auch Nora Imlau hat im Beitrag Falsche Freunde darauf hingewiesen, dass es eben nicht reicht, zu behaupten „wir sind die Guten.“

Im englischsprachigen Raum ist die Vereinahmung der „natural parenting“-community durch die Extreme Rechte bereits stärker vorangeschritten als hierzulande. Ich gehe allerdings davon aus, dass gerade im Zuge der anstehenden Bundestagswahl im September auch hier immer mehr Familien in den rechten Rand gezogen werden.

Das ist ein Problem. Ich will nicht, dass ich als Befürworterin von Hausgeburten automatisch als rechts gelte. Denn ich bin es nicht. „Linksgrünversifft“ oder „von den Staatsmedien indoktriniert“ trifft es wohl besser. Ich glaube daran, dass unsere Demokratie funktioniert. Ich bin davon überzeugt, dass Menschen in die Politik gehen, weil sie etwas zum Guten verändern wollen (das glaube ich selbst bei denjenigen, die für die AfD kandidieren). Ginge es nur ums Geld, ließe sich in der freien Wirtschaft wesentlich mehr damit verdienen. Ich finde nicht jede Regierungsentscheidung gut. Ich sehe eindeutig Verbeserungspotential — sei es bei einer humanen Flüchtlingspolitik, einer kindgerechten Schulpolitik, der freien Wahl des Geburtsortes, der Wertschätzung von Care-Arbeit oder der Klimapolitik (neue Ergänzung: auch bei der Corona-Politik).

Deshalb will ich mich für entsprechende politische Mehrheiten einsetzen. Auf dem Boden des Grundgesetzes. Und nicht dagegen.

Was also tun, wenn man eine Meinung vertritt, die auch die Extreme Rechte vertritt? (Ob nun bei Hausgeburten, Corona oder Kindergartenfrei? Ich mache es hier wie Marina Weisband (Link verweist auf Youtube mit den entsprechenden Datenschutzbestimmungen…): Lasst euch nicht vereinnahmen. Macht nichts mit der Extremen Rechten. Auf den ersten Blick scheint es sinnvoll, eine große Gruppe zu sein, um zu zeigen, dass die Meinung keine Einzelmeinung ist. Auf den zweiten Blick ist es das aber nicht wert. Wirklich nicht. Was nutzt mir eine Hausgeburt, wenn ich dafür mein Kind auf dem Spielplatz nicht spielen lassen kann, weil es wegen seiner dunklen Hautfarbe angemacht wird? Nichts. Ach, stimmt ja, mein Kind hat ja gar keine dunkle Hautfarbe. Ich brauche doch keine Angst zu haben. Das ist ein beschissenes Argument. Niemand sollte Angst haben müssen aufgrund einer Hautfarbe oder Sprache.

Es widerspricht sich nicht, Hausgeburten zu befürworten und politisch auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen. In meinen Beiträgen zu Feminismus und Geburten habe ich erläutert, dass die freie Wahl des Geburtsorts für mich tief mit einer feministischen Weltanschauung einhergeht. QAnon wäre da wohl anderer Meinung.

Fazit dieses sehr langen, nicht lektorierten sondern frei von der Seele geschriebenen Textes: Ich bin dankbar für alle, die sich durch meine Geburtsgeschichten, durch meine Tipps und durch meine Bücher inspirieren lassen. Schließlich lebe ich davon, dass ihr hier auf dem Blog vorbeischaut, lest und am besten sogar noch einkauft oder eine Geburtsgeschichte bucht. Ihr alle seid willkommen. Ihr werdet es allerdings auhalten müssen, dass ich mit meiner politischen Meinung nicht hinter den Berg halte.

Der Rechte Rand ist mir zuwider, denn er ist menschenverachtend und frauenfeindlich. (Jau, die jetzige Politik ist auch nicht immer das Gelbe vom Ei in Gleichberechtigungsfragen. Weiß ich. Arbeite ich dran.) Ich trete für eine weltoffene Politik ein. Ich werde deine Meinung akzeptieren, und wenn du an einem ernsthaften und ehrlichen Gespräch interessiert bist, so können wir dieses führen. Wenn du auf diesem Blog liest, dann sei dir darüber im Klaren, dass dies hier nicht der Rechte Rand ist.

Ich freue mich über Kommentare — sowohl diejenigen, die mir zeigen, dass ich nicht allein bin, als auch diejenigen, die meinen, ich schieße über das Ziel hinaus oder sei bereits tief indoktriniert vom tiefen Staat.

Wie gesagt — entgegen sonstiger Praxis ist der Text nicht nochmal gelesen. Frisch von meiner Seele. Danke für’s Lesen.

18 Gedanken zu „Hausgeburten und rechte Gesinnung“

  1. Liebe Katharina, wow, das ist ein schwieriges Thema. Danke, dass du dich dazu positionierst. Mir macht das Ganze auch ein wenig Angst – die Übergänge zu systemkritisch und rechts sind teilweise so fließend und sehr schwer zu erkennen. Danke für deine Arbeit. Auch dass du in den Gruppen widersprichst.

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  2. Der Trend war mir neu. Ich hatte Hausgeburten bisher komplett in der linksgrünalternativen Szene mit gegebenenfalls einem esoterischen Touch verankert. Problematisch hätte ich da eher die Meinung zu evidenz-basierter Medizin (und in Verlängerung zu den Naturwissenschaften) gesehen und nicht rechtsextreme Verschwörungstheorien wie QAnon (wie auch immer man das glauben kann, das ist ja so abgedreht…da sind die Echsenmenschen fast gläubwürdiger 😜)

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  3. Hallo Katharina,

    das Problem ist doch, dass viele dort am Rand von ihrer flachen Erde purzeln. Die Frage ist: Wo sind sie hin? Verloren für immer?

    Wir sind 2020/2021 leider an einem Punkt angekommen, an dem es keine festen Zuordnungen mehr gibt. Sowohl in den Mainstream-Medien als auch im Internet wird, entschuldige die Wortwahl, immer mehr an den Haaren herbeigezogener Scheiß in Worte gekleidet – und viele Menschen haben es echt schwer, Q-uatsch von „Wahrheit“ (TM) zu unterscheiden.

    Letztens hat ein Professor(!) im Fernsehen geäußert, dass auch Menschen, die Corona bereits durchgemacht haben, geimpft werden müssen – obwohl es Studien gibt, in denen sich nicht einer von diesen Menschen erneut mit dem Coronavirus ansteckte. Im Vergleich gab es in den Studien der Impfstoff-Hersteller unter den Geimpften tatsächlich Personen, die sich später infiziert haben. Immunsystem FTW! Da fragt man sich doch, wieso man so einen „Professor“ im Fernsehen zu Wort kommen lässt, der nichts anderes als eine allgemeine Impfpflicht gegen das Corona-Virus fordert. Hier der Beweis: https://www.youtube.com/watch?v=d9BcWkmk5EY

    Wenn im Fernsehen so viel von Lobbyismus durchseuchter Unfug verbreitet wird, muss man sich nicht wundern, dass die Grenze zwischen Vernunft und Wahn immer poröser wird. Was bleibt den Leuten denn anderes übrig? Es gibt keinen festen Punkt mehr, an dem sie sich orientieren können; nichts, worauf Verlass ist – Schwupps, ein neuer Anhänger für QAnon …

    Danke für den Artikel und Dein politisches Engagement. Antworten Dir die Politiker? Hören sie Dir zu? Und vor allem: Bringt’s was? Falls ja, sollte ich das auch mal versuchen. 🙂

    Liebe Grüße
    Patrick

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    • Hallo Patrick,

      danke dir für deinen Kommentar. Ich stimme dir zu: Was früher als links galt (Hausgeburten, Kritik am Schulsystem) sind heute vielfach Themen, die von rechten aufgegriffen wurden. Insofern ist es vielleicht schwieriger, sich persönlich rechts oder links zu verordnen. Und klar, gerade beim Thema Hausgeburten bin ich auch häufig geschockt davon, was im Mainstream dazu geschrieben oder gezeigt wird.

      In Bezug auf Corona bin ich allerdings noch vorsichtiger als bei Hausgeburten oder anderen Themen, und zwar, weil ich nicht die Zeit habe, mich so tief in das Thema einzuarbeiten. Ich habe mir die 20 Minuten Zeit genommen, das Video anzuschauen, das du verlinkt hast. Nun stellt sich aber genau wieder die Frage, die du aufgeworfen hast: Inwieweit vertraue ich diesem Video mehr als anderen Videos, die im Internet kursieren?

      Zum politischen Engagement: Ich allein bin schwach, gemeinsam sind wir stark. Ich engagiere mich deshalb in den Vereinen Mother Hood e.V. und Normale Geburt e.V. Diese Interessensverbände spiegeln gut wider, wofür auch ich mich einsetze. Mit Herrn Irlstorfer von der CSU habe ich aufgrund seiner Äußerungen in der Plenardebatte Kontakt aufgenommen (siehe hier). Kurzfristig sind solche Aktionen nie von Erfolg gekrönt. Langfristig ist es der einzige Weg, um etwas zu ändern. Ergo: Schreib deine*n Wahlkreisabgeordnete*n an und frag nach, was er*sie zu sagen hat. Schaden kann es kaum.

      Herzliche Grüße,
      Katharina

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      • Hallo Katharina, danke für Deine Antwort!

        Noch kurz zu dem Video: Der Patrick Strobach, der im Video zu sehen ist, macht eines richtig und benennt seine Quellen (ganz unten in der Video-Beschreibung). Das ist wissenschaftliches Arbeiten; wahllose Behauptungen aufgrund der eigenen Meinung sind es nicht. Das Fernsehen könnte ja wenigstens kurz eine DOI einblenden, damit interessierte Zuschauer dort weiterlesen können.

        Liebe Grüße
        Patrick

      • Hallo Patrick,

        ich stimme dir zu, DOI oder jegliche andere Art der Quellenangaben ist unbedingt zu beachten. Ich sehe in diesem Zusammenhang auch noch Verbesserungspotential hier auf dem Blog. In manchen Artikeln habe ich sehr penetrant darauf geachtet, in anderen nicht. Allerdings ist der Anspruch bei Geburtsgeschichten natürlich auch ein anderer als bei wissenschaftlichen Behauptungen. Ein Beitrag ist ja sogar ein reines Quellenverzeichnis: Corona-Linkliste.

        herzliche Grüße an die ganze Familie!

        Katharina

  4. Hi liebe Katha,
    danke für deinen Beitrag und zur Positionierung.
    Tatsächlich war es bei mir auch so, dass ich Hausgeburten bisher zur linksgrünen Hippiebewegung gezählt habe und mir neu war, dass das auch vom Rchten Rand praktiziert wird. Wenn ich jetzt aber drüber nachdenke, und mir dann so Kommunen wie zB Colonia Dignidad oder hierzulande die völkischen Siedler einfallen, ist es irgendwie „logisch“, dass solche Menschen, die einfach alles am besten nur unter sich regeln, innerhalb der eigenen Gemeinschaft, abseits von Staatsmedien/Pharmaindustrie etc. – und für eine Geburt zB nicht ins Krankenhaus gehen wollen, wo sie mit Mediziner*innen zu tun hätten, die ggf. eine für uns „normale“, aber für sie nicht ihrer Ideologie entsprechende Haltung hätten. Also jetzt mal sehr tief verschwörungstheoretisch gedacht.

    Trotzdem würde ich für mich jetzt – also nach Lesen deines Textes und meinen eigenen Überlegungen – eine Hausgeburt weder als links noch als rechts einordnen, sondern einfach als bedürfnisorientiert für Schwangere (solange Krankenhäuser dies halt noch so selten sind).

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    • Liebe Monique, danke dir für deinen Post. Mir geht es wie dir: Ich muss mich zwingen, mal in diesen Verschwörungstheorien zu denken — aber dann klingt es leider überraschend logisch.

      Danke für deinen Kommentar! Lass uns weiterhin darauf hinarbeiten, dass es so ist, wie du schreibst: Hausgeburten sind für manche Frauen das, was ihre Bedürfnisse am meisten beachtet.

      Danke dir!

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  5. Liebe Katharina,

    das ist ein spannendes Thema. Und wirklich nicht so einfach, finde ich.

    Mir ging es ursprünglich auch so, dass ich das Thema gar nicht so mit „rechts“ in Verbindung gebracht hätte – bis ich mich 2019 mal für kurze Zeit bei Facebook registriert hatte, um meine Doula-Tätigkeit zu bewerben und ein bisschen zu netzwerken. Ich habe sonst überhaupt nichts mit sozialen Medien am Hut, nutze sie privat nicht und hatte mich auch lange dagegen gesträubt, aber alle sagten mir, das sei notwendig, um mein Unternehmen bekannter zu machen (tatsächlich sorgte diese einfache Maßnahme dafür, dass meine Website plötzlich in den Suchmaschinen auftauchte!). Ich hatte nur eine Hand voll sorgsam ausgewählter „Freunde“, die ich allesamt aus meiner Doula-Ausbildung oder anderweitig persönlich aus dem professionellen Kontext um Schwangerschaft/Geburt/Muttersein/Körperarbeit etc. kannte. Trotzdem bekam ich sehr schnell solche Öko-Nazi-Sachen zu lesen (und anderen Schwachsinn…).

    Ehrlich gesagt, ich habe die Auseinandersetzung gescheut, weil ich damit überfordert war. Eine Frau, die viele solcher Artikel teilte, kannte ich aus meiner Ausbildung und ich fühlte mich dadurch so mit ihr verbunden, dass mich diese ihre Weltsicht erstmal einfach nur verstörte. Ich habe mich dann sehr schnell wieder abgemeldet, weil ich fand, dass dieser ganze SocialMedia-Kram einfach nicht mein Ding ist und viel zu viel Zeit beansprucht.

    Aber wie hätte ich sonst reagieren können? Ich weiß es nicht. Das ganze war vor Corona, also bevor Verschwörungsmythen und extreme Polarisierung so allgegenwärtig waren wie jetzt. Grundsätzlich gestehe ich jedem seine Meinug zu und möchte niemandem vorschnell einen „Fascho“-Stempel aufdrücken. In diesen Facebookeinträgen ging es eindeutig darum, Themen wie Mutterschaft, Geburt, Familie, Erziehung, Natur-(bzw. Heimat!)schutz, alternatives Wohnen usw. zu instrumentalisieren, Emotionen in bestimmte Bahnen zu lenken und rechtsextreme Ideologien mehr oder weniger dezent einzustreuen – das finde ich absolut nicht akzeptabel. Andererseits geht es bei den meisten Einträgen doch immer nur darum: Meinung machen und verstärken, Werbung für die eigene Sache machen, Aufmerksamkeit erzeugen auf Teufel komm raus – in welche Richtung auch immer… Ich empfinde das als sehr ermüdent, da zu allem, was mich stört, Stellung beziehen zu wollen.

    Trotzdem sollte jede Frau, die sich eine Hausgeburt wünscht, die Möglichkeit dazu bekommen – gleich aus welchen Motiven sie diese anstrebt. Deswegen finde ich es eigentlich auch nicht so wichtig, welche politische Gesinnung beispielsweise eine Doula oder Hebamme hat, solange es zwischen ihr und der zu begleitenden Frau harmoniert. Ich begleite auch Paare, deren Lebenseinstellung und Weltanschauung ich vielleicht nicht vollständig teile – solange zwischen uns trotzdem ein Vertrauensverhältnis und eine emotionale Verbindung besteht. Ich würde aber wohl die Zusammenarbeit ablehnen, wenn ich das Gefühl hätte, für ideologische Zwecke „benutzt“ zu werden.

    Ich selbst wurde übrigens bislang glücklicherweise noch nicht „in die rechte Ecke gestellt“…

    Danke für Deine Arbeit!

    Herzliche Grüße
    Rebecca

    Antworten
    • Hallo Rebecca,

      danke dir für deine ausführliche Antwort! Wie gut, dass du persönlich bisher noch nicht in die rechte Ecke gestellt wurdest. <3

      Wie du schon richtig geschrieben hast: Es ist schwierig, sich immer zu äußern. Manchmal bekommen wir vielleicht auch Sachen in den falschen Hals und tun Menschen Unrecht? Und manchmal haben wir auch schlicht nicht die Kraft dazu, uns immer zu äußern. Das ist auch okay so. Wir können nicht immer jeden Kampf kämpfen.

      Aber weißt du, was mir gut tut!? Dass ich offensichtlich nicht die einzige bin, der die Instrumentalisierung von Bedürfnisorientierung und außerklinischer Geburtshilfe auf den metaphorischen Sack gehen. Danke dir, denn dein Kommentar gibt mir Kraft, weiterhin dafür zu schreiben und auch immer häufiger den Mund aufzumachen gegen demokratiefeindliche Strömungen.

      Hab einen wunderbaren Tag!
      Katharina

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  6. Ich stehe mittlerweile an einem ganz anderen Punkt, was dieses Thema Links-Rechts angeht. Wieso und weshalb würde zu weit führen, aber es ist einfach so, dass ich da inzwischen wieder mehr nach meiner Intuition lebe als zu meinen, mich da irgendwie definieren zu müssen. Und ich merke auch zunehmend, dass mir dieses ganze Konzept viel zu eng ist und ich auch mit vielem, das als links gilt, eigentlich nicht mitgehen kann. Und dass, wenn man es mal auseinanderklabüstert, links = gut halt auch vollkommen absurd ist.

    Eine Zeit lang dachte ich, ich müsse mich als links definieren, um meine Haltung klar zu machen. Aber warum denn eigentlich? Muss ich mich in ein politisches Konstrukt pressen, nur um mich dafür zu positionieren, dass für mich alle Menschen gleichwertig sind und ein Recht auf ein glückliches Leben haben?
    Nö, eigentlich nicht.

    Ich frag mich mittlerweile ehrlich gesagt, wieso rechte Organisationen als so krasse Bedrohung angesehen werden. Natürlich ist es schlimm, wenn die Gewalt gegen Migranten wieder steigt und ähnliches. Aber ganz ehrlich: Hat das wirklich so viel damit zu tun oder nicht vielmehr mit der Denke unserer kompletten Gesellschaft? Das Denken in Gut und Böse, das Denken in Richtig und Falsch, Das permanente Schuldzuweisen. Sind nicht das eigentlich die Faktoren, also auch die Allgegenwärtigen in Politik, Medien etc., die das Klima auf der Welt vergiften?
    Wer und was ist am Ende die größe Bedrohung für ein freiheitliches Leben? Hat nicht das Allgegenwärtige oft den größten Einfluss auf alles? Und warum werden dann Kleinstgruppen oft als die größte Bedrohung angesehen?

    Ganz sicher ist diese ganze Instrumentalisierei total beängstigend. Und auch supernervig. Aber viele Strömungen entstehen auch daraus, dass die Menschen sich eine Nische suchen in einer unsicherer werdenden Welt und in einer Welt, in der sie nicht mehr mitgenommen werden und Vertrautes zerstört wird (Dialekte, Dörfer, Traditionen, …) Ich habe die Erfahrung gemacht, dass rechts oft nicht gleich rechts ist. Man kann Angst vor Flüchtlingen haben (was aber auch zu einem großen Teil mit der angstmachenden und unsauberen Berichterstattung zu tun hat, also seine Ursachen eben wieder in der Struktur unserer Gesellschaft hat) und gleichzeitig eine multikulturelle Dorfgemeinschaft Alteingesessener total befürworten, weil man die Leute kennt und sie dazu gehören…

    Es ist halt oft komplexer als es scheint und in der Zwischenmenschlichkeit zu bleiben ist ein wichtiger Punkt, denk ich.

    Irgendwie hat man in Deutschland halt total Angst, dass sich die Zeit von damals wiederholt. Aber viel wichtiger als sich immer nur auf Rechts zu konzentrieren und es als das personifizierte Böse anzusehen ist es, denke ich, die Strukturen zu hinterfragen und zu verändern, wie wir generell miteinander umgehen. Denn solange Linkssein auch daraus besteht, mit dem Finger zu zeigen und in „die“ und „wir“ zu denken, exkludierend und nicht inkludierend ist, ist auch das ein Teil des Problems.

    PS: Auch in der linken Geschichte gibt es Antisemitismus, Sexismus, und die Stasi hatte superviele Mitarbeiter aus der ehemaligen SS. Wenn man sich alles mal genau ansieht, ist es oft so verwaschen, dass am Ende eigentlich nur die Frage ist: Kann ich gewaltfrei und respektvoll mit anderen zusammenleben oder kann ich es nicht? Und da gibt es wahrscheinlich Leute aller Couleur, die das eben können oder nicht können…

    So viel zu ein paar meiner Gedanken dazu :).

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