Anna: Alleingeburt in der Badewanne

In der heutigen Geburtsgeschichte erzählt Anna davon, wie ihr Sohn nach einer dreitägigen Alleingeburtsreise zu Hause in der Badewanne zur Welt kam.

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Um denjenigen gerecht zu werden, die sich mit den Worten „Frau“ oder „Mutter“ nicht identifizieren können, obwohl in ihrer Geburtsurkunde „weiblich“ steht, habe ich mich dazu entschlossen, in meinen eigenen Beiträgen „Mutter“ und „Frau“ jeweils mit dem Inklusionssternchen zu versehen. Ihr werdet also Frau* oder Mutter* lesen (falls der Text von mir kommt und nicht von anderen Menschen). Geschlechtergerechte und inklusive Sprache ist mir ein Herzensthema, allerdings ist (meine persönliche und die gesellschaftliche) Entwicklung dazu noch lange nicht abgeschlossen. Mal sehen, wie ich es in Zukunft angehe. Mehr zum Thema liest du unter anderem hier: Sollte ein Geburtsblog geschlechtsneutral sein, Gebären wie eine Feministin und Sex, Gender, Geburten und die deutsche Sprache.

Die Geburt meines zweiten Kindes am 4. März 2022

Wir hatten eine wunderschöne und ruhige Alleingeburt zu Hause, die für mich sowohl lang als auch anstrengend war, da sie sich insgesamt über drei Tage hinstreckte. Eine sehr schöne Erfahrung war es für mich und für meinen Mann, da wir die Geburt zu zweit zu Hause ohne fremden Einfluss meisterten, im Vertrauen und im Fluss mit uns selbst und unserem Baby, was sich langsam auf den Weg machte. Wir waren auf unserer Geburtsreise manchmal auch unsicher und etwas besorgt gewesen, doch unserer beider innere Stimme hatte uns zu jederzeit versichert, dass alles gut war und wir nur weiter machen müssten, damit unser Kleiner Django zu Hause das Licht der Welt erblicken würde, und so kam es dann auch!

Fruchtwasser als Geburtsstart

Alles begann am 01.03.22 ca. um 16 Uhr, als ich bemerkte, dass Fruchtwasser aus mir heraus lief, in kleinen Mengen, nicht schwallartig sondern eher immer wieder ein kleines bisschen, was ich mit einem kleinen Handtuch aufsaugen konnte. Gegen 17 Uhr ging ich unter die Dusche, wo dann plötzlich der Schleimpfropf abging und mit einem leisen plopp auf den Boden der Badewanne fiel. Er war etwa münzengroß und transparent, weißlich, rötlich.

Ich wusste damit endgültig, dass die Geburt bald beginnen würde, wusste aber auch, dass es bis zum Einsetzen der Wehen bis zu 24 Stunden dauern könnte. Wir freuten uns sehr, dass die Geburtsreise nun begonnen hatte und waren auch überrascht, da die Geburt laut Rechnung eher zwischen dem 10. und 15. März beginnen sollte.

Die erste Wehe

Danach verbrachten wir den Abend entspannt gemeinsam, schliefen die ganze Nacht durch und warteten den nächsten Tag über bis Nachmittags um ca. 16 Uhr ab, wo ich dann schließlich die erste Wehe verspürte. Ich hatte weiterhin über den gesamten Zeitraum Fruchtwasser verloren, was allerdings immer in kleineren Mengen gelegentlich aus mir herauslief und ich mit Stoffbinden und Windeltüchern auffing.

Anfangs waren die Wehen leicht, doch wurden sie schnell etwas intensiver. Noch immer konnte ich sie atmend sehr gut aushalten. Wir schauten bei jeder Wehe auf die Uhr und notierten die Zeit, um die Abstände zu beobachten; sie kamen jeweils immer im 20, 15 oder 10 Minutentakt unregelmäßig.

Foto von Vie Studio

Während ich die Wehen spürte und veratmete, wanderte ich durch das Haus, schaukelte und wippte auf meinem Ball oder stützte mich währenddessen auf dem Esstisch ab.

Wehenloser Schlaf

Ich hatte unregelmäßige und relativ leichte Wehen bis 2 Uhr morgens, danach legten wir uns zum schlafen hin und die Wehen begannen erst wieder am nächsten Tag (03.03.22) vormittags gegen 9 Uhr. Wir notierten weiterhin die Wehenabstände bis mittags und hörten dann auf, da sie weiterhin unregelmäßig kamen und wir es vorzogen, uns ausschließlich auf die Geburt selbst und nicht mehr auf die Uhr zu konzentrieren.

Wehenarbeit in der Badewanne

Im Laufe der gesamten Geburtsreise ging ich öfters in die Badewanne, die mir mein Mann mit warmem Wasser gefüllt hatte. Dort konnte ich mich sehr gut entspannen und nickte auch gelegentlich zwischen den Wehen ein. Manchmal empfand ich es in der Wanne wegen des andauernden Positionswechsels ermüdend, da ich mich in der Pause hinsetzte und mich für die Wehe umdrehte, um auf einem Handtuch zu knien.

Foto von Pixabay

Mekonium im Fruchtwasser, Muttermund öffnet nicht weiter

Weiterhin kam immer wieder Fruchtwasser, nun allerdings bräunlich durch Mekonium verfärbt. Ich tastete gelegentlich nach dem Muttermund und mein Eindruck war meist, dass er circa vier Finger breit offen stand und ich konnte Babys Köpfchen darüber spüren. Mein Eindruck war, dass der Muttermund sich nicht weiter öffnete, sondern bei diesen circa vier Fingern stehen blieb, obwohl ich inzwischen intensivere Wehen bekam, die ich alle bereits vertönte. Und so machte ich mir Gedanken darüber, ob das Köpfchen vielleicht nicht richtig eingestellt sein könnte, und daher nicht tiefer treten konnte um dabei den Muttermund zu weiten.

Ich suchte in meinem Buch „Alleingeburt“ nach den Übungen, um die Kindslage zu verbessern und versuchte es ein mal mit Hüfte hochlegen über 3 Wehen. Ich konnte es aushalten, doch war es mir sehr unangenehm, über 3 Wehen in dieser unbequemen Position zu verbleiben, ohne mich nach meinem Gefühl bewegen zu können.

Nachdem ich diese Übung ein Mal gemacht hatte, beschloss ich, einfach weiterhin abzuwarten und die Wehenpausen im Liegen zu verbringen, da ich mich bis dahin schon recht erschöpft fühlte. Ich schlief in den Wehenpausen immer wieder ein und stand auf, um in den Vierfüßlerstand zu gehen, sobald ich merkte, dass sich wieder eine Wehe näherte, da ich sie im Liegen nicht mehr gut aushalten konnte.

Nächtliche Wehenpause

Nachts hörten die Wehen dann wieder auf, sodass ich über ein paar Stunden schlafen und neue Kraft sammeln konnte. Über diesen Zeitraum der Sorgen und Zweifel half mein Partner mir sehr, da er auch über den Geburtsablauf recherchierte und mich mit dem, was er mir erzählte, immer wieder bestätigte, dass alles normal und gut verlief.


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Kreisend, nicht kreißend

Am nächsten Morgen, dem 04.03.22 verspürte ich starke Wehen, die ich meist vor einem Stuhl auf der Matratze kniend mit der Hüfte kreisend oder auf dem Ball kreisend vertönte. Ich merkte immer größeren Druck und Schmerz auf meinen unteren Rücken und bat daher meinen Partner, bei jeder Wehe von hinten auf meinen unteren Rücken zu drücken oder von beiden Seiten die Hüfte mit den Händen zusammen zu drücken; dadurch verspürte ich unter den kräftigen Wehen große Erleichterung. Ebenfalls merkte ich, dass ich instinktiv mitpresste, wenn die Wehe an ihrem Höhepunkt war.

Druck auf den unteren Rücken

Gegen Mittag ungefähr bereitete er mir eine weitere warme Badewanne vor, die ich dann aber vergaß, da ich von der Geburtsarbeit so eingenommen war, sodass er mich regelrecht dazu überreden musste hinein zu steigen, nachdem er nachmittags weiteres Heißes Wasser hineingefüllt hatte. Die Wehenabstände waren nun so kurz, dass ich mich beinahe auf nichts anderes als das konzentrieren konnte und sie mich schon auf dem Weg zwischen Küche und Bad übermannten.

Als ich dann endlich in der Wanne hockte, wurden sie sehr intensiv, ich brauchte den Druck auf meine Hüfte unbedingt, um sie noch aushalten zu können, und hatte Lust, währenddessen nach unten mit zu drücken. Mein Partner Fragte mich ob er die Kamera zum filmen ins Bad holen sollte, doch konnte ich ihn nun nicht mehr weg lassen, da die Wehen nun fast ununterbrochen da waren.

Alleingeburt in der Badewanne

Ich bewegte mich in die tiefe Hocke parallel zur Badewanne, damit die Knie nach außen gespreizt sein konnten, und fühlte nach dem Köpfchen. Es war nun schon sehr nah am Scheidenausgang zu spüren und kurz davor, nach außen zu treten. Mein Partner tastete auch danach und konnte das Köpfchen ebenfalls spüren. Gefühlt in der nächsten Wehe näherte sich der Kopf an, sodass man schon die Haare sehen konnte, wir tasteten beide danach und erfühlten ihn.

Die heftigen und schmerzhaften Wehen waren damit vorüber und ich fühlte Babys Köpfchen ganz weit unten in der Scheide, die sich brennend dehnte. Ich war nun ganz still geworden und wartete gemeinsam mit meinem Partner gespannt und voller Vorfreude auf die nächste Kontraktion, die das Köpfchen durchtreten lassen würde.

In der nächsten kam der Kopf etwas tiefer und mein Partner meinte, eine Stirn zu erkennen… Ich war ungläubig, da dies bedeuten würde, dass der Kleine gerade in Sternguckerlage geboren würde. Wir warteten in Stille gespannt weiter, und in der nächsten Kontraktion glitt sehr langsam, sanft und leise der Kopf und der gesamte Babykörper aus mir heraus in meine Hände im warmen Wasser.

Ich bemerkte, dass seine Nabelschnur um den Hals gewickelt war und befreite ihn davon. Ich hielt ihn unter Wasser in meinen Händen, er öffnete die Augen ganz weit und schaute durch das Wasser nach oben in das Licht. Wir bestaunten ihn so eine Weile lang, bis ich ihn schließlich aus dem Wasser hob und ihn auf meine Brust legte und mein Partner ihn mit einem weichen Tuch zudeckte.

Erleichterung, Entspannung & Freude

Ich spürte so unendlich große Erleichterung darüber es endlich geschafft zu haben und so tiefe Entspannung und Freude, so richtig konnte ich noch nicht begreifen, was gerade geschehen war.

Er war mit viel Käseschmiere bedeckt und hatte auf der Nase und auf de Stirn Druckstellen, vermutlich wegen der Sternguckerlage. Ganz langsam begann der Kleine, etwas zu röcheln und zu atmen, während die Nabelschnur intensiv weiter pochte und die Plazenta noch in der Gebärmutter verblieb. Das Badewannenwasser hatte sich ganz rot verfärbt.. als es mir zu kühl dort wurde, zogen wir ins Bett um, wo er dann zum ersten mal an der Brust nuckelte.

Späte Plazentageburt

Mit seinem Nuckeln an der Brust waren auch schon die ersten Nachwehen zu spüren, die ich als kräftig aber erträglich empfand. Die Plazenta war weiterhin in der Gebärmutter festgewachsen und die Nabelschnur hatte über einige weitere Stunden hinweg einen kräftigen Puls. Erst nachts ungefähr um 1 Uhr kam die Plazenta zur Welt und damit hörte auch das Pochen in der Nabelschnur auf. Wir waren sehr fasziniert von den Stunden, in denen unser kleiner aus drei verschiedenen Quellen gleichzeitig versorgt wurde, der Plazenta, der Atemluft und dem Kolostrum – und das über 8 Stunden nach der Geburt hindurch!

Am nächsten Tag bereitete ich aus einem Stück der Plazenta und frischem Obst einen Smoothie zu, den ich über den Tag verteilt zu mir nahm. Nach der Geburt frische Plazenta zu sich zu nehmen ist sehr förderlich für die Heilung und Rückbildung der Gebährmutter und für die Anregung und Regulation der Milchbildung.

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Anna Fuhrmann

Anna ist Mutter, Doula und Gründerin von Lotusgeburt.com.
Die Lotusgeburt ist seit ihrer ersten Schwangerschaft zu ihrem Herzensthema geworden. Mehr erfährst du auf Instagram:

Katharina Tolle

Wie schön, dass du hier bist! Ich bin Katharina und betreibe seit Januar 2018 diesen Blog zu den Themen Geburtskultur, selbstbestimmte Geburten, Geburtsvorbereitung und Feminismus.

Meine Leidenschaft ist das Aufschreiben von Geburtsgeschichten, denn ich bin davon überzeugt, dass jede Geschichte wertvoll ist. Ich helfe Familien dabei, ihre Geschichten zu verewigen.

Außerdem setze ich mich für eine selbstbestimmte und frauen*-zentrierte Geburtskultur ein. Wenn du Kontakt zu mir aufnehmen möchtest, schreib mir gern!

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