Angelina: Kaiserschnitt bei Zwillingen

Heute ist der dritte Dezember und ich darf mit euch Angelinas Geschichte teilen. Angelina hatte bereits eine Fehlgeburt, bevor sie mit Zwillingen schwanger wurde.

Angst vor der erneuten Fehlgeburt

Der positive Schwangerschaftstest hat uns sehr glücklich gemacht. Leider gab es in der 7. SSW keinen Herzschlag zu sehen.

Beim nächsten positiven Schwangerschaftstest war ich sehr ängstlich. Der erste Termin bei einer neuen Gynäkologin war erst in der 9. SSW. Bevor wir viel geredet haben, hat sie den Ultraschall gemacht. Ich hatte so viel Angst, wieder kein Herz schlagen zu sehen.

Doch mit zwei Herzchen habe ich überhaupt nicht gerechnet. Ich war mit zweieiigen Zwillingen schwanger. Der führende Zwilling, ein Mädchen, lag auch perfekt in Schädellage. Der zweite Zwilling, ein Junge, in Beckenendlage. Ich war die ganze Schwangerschaft über sehr ängstlich, dass den Kindern nichts passiert und gleichzeitig erschrocken, denn niemand hat bei uns Zwillinge und ich war nicht darauf vorbereitet.

Natürliche Geburt bei Zwillingen: Einleitung in der 38. Schwangerschaftswoche

Ich wollte unbedingt eine natürliche Geburt probieren, weil sich das ja so gehört und so sein muss, dachte ich. Die Schwangerschaft verlief weitgehend unkompliziert und so sollte ich am 26. Dezember zur Einleitung ins Krankenhaus kommen. Dort angekommen, schickten sie uns doch wieder weg. Kein Bett frei.

Woher bekommt man jetzt am 26.12. etwas zu Essen?

Dann sind wir am 27.12. wieder ins Krankenhaus zur Einleitung gefahren bei 37 +6. Ab da bin ich mir in meiner Erinnerung schon nicht mehr so sicher. Die erste Einleitung mittels Gel habe ich noch überhaupt nicht gespürt. Nachmittags gab es eine zweite Einleitung und damit leichte Wehen, die aber schon unangenehm waren.

Zum Abendessen fuhr mein Mann nach Hause, meine Schwester und meine Mutter kamen mich aber noch besuchen. Ich lag in einem Bett, hatte gegessen da machte es richtig laut „Pöck“, ein Ruck ging durch meinen Unterleib und ich dachte ich habe mir in die Hose gemacht. Fruchtblase geplatzt! Sofort wurden die Wehen schlimmer und ich bekam Panik. Ich rief meinen Mann an, ob er nicht wieder kommen wolle, die Fruchtblase sei geplatzt. Mutter und Schwester begleiteten mich in den Kreißsaal, bis mein Mann da war.

Schimpfen unter den Wehen

Ab da wird meine Erinnerung noch schlechter. Ich musste mich übergeben, die Wehen waren sehr schmerzhaft, ich hatte die Augen häufig geschlossen und die meiste Zeit geschimpft. „Wir lassen das hier“, „Ich geh jetzt nach Hause“, „den Scheiß mach ich nicht mit“.

Ich habe schon um 20 Uhr beim Betreten des Kreißsaals eine PDA verlangt. Leider waren meine Blutwerte zu schlecht. Es wurde nochmal Blut abgenommen und auf das Ergebnis gewartet.

Die nächsten drei Stunden kamen immer mal wieder Menschen, stellten sich vor, machten was und gingen wieder. Das war mir alles egal.

Es tat so weh. Mein Mann stand hilflos im Zimmer.

PDA und ein Anästhesist ohne Manieren

Nach 23 Uhr irgendwann kam endlich der Anästhesist für die PDA. Da mein Mann und ich in dem Krankenhaus, indem wir entbunden haben, auch arbeiteten, kannte er uns. Der Anästhesist kam rein und begrüßte meinen Mann mit: „Ah, wir kennen uns doch“. Ich hätte ihm am liebsten den Hals umgedreht. Ich hatte so Schmerzen und konnte nicht mehr.

Er legte die PDA und verlangte, dass ich meinen Oberkörper trotz ständiger Wehen krumm machte. Ja, ich weiß, das muss so, aber mit Wehen geht das nicht so einfach und es tut weh!

Dann lag die PDA, die Schmerzen wurden besser und ich kam etwas zu mir. Kurz darauf kam die Kinderärztin, schaute sich das CTG an und sagte die Herztöne der beiden seien „so lala“. Da der Muttermund nach der ganzen Quälerei bis dahin erst  0,5 cm geöffnet war, und die Geburt so auch noch 20 Stunden hätte dauern können, entschied ich mich für einen Kaiserschnitt.

Der Kaiserschnitt

Auf dem Weg in den OP habe ich in der Tür gefragt, ob es schon nach Mitternacht sei. Ich wollte den Geburtstag der Kinder lieber am 28.12. haben. Sie haben die PDA aufgespritzt, mein Mann saß bei mir am Kopf, ein Tuch vor uns. Es ruckelte ordentlich in mir, ich bekam innerlich wieder Panik und bekam Tränen in den Augen vor Angst und Hilflosigkeit.

Man zog das erste Kind  um 0:07 Uhr aus mir raus, hielt kurz ein bisschen Köpfchen hinter dem Tuch hoch und schon war das Kind wieder weg zur U1 im Nebenraum. Ich fragte die Ärztin noch, ob es jetzt der Junge oder das Mädchen gewesen sei, dass wusste sie aber gar nicht. Aus dem Nebenraum rief jemand: „ein Mädchen“. Man zog das zweite Kind um 0:09 Uhr aus mir raus, hielt es kurz hoch und dann verschwand auch er zur U1.

Kennenlernen

Das nächste, an das ich mich erinnere ist, dass wir wieder in einen Kreißsaal geschoben wurden zum Kennenlernen. Wir waren mindestens drei Stunden alleine im Kreißsaal, bevor wieder jemand zu uns kam, die Kinder wog und ausgemessen hat und mir gezeigt hat, wie man die Kinder anlegt.

Das war eine ewig lange Zeit.

Ich konnte mich aufgrund der PDA brustabwärts nicht bewegen und man wusste nichts. Mein Mann war mit zwei Kindern und mir gut beschäftigt.

Man wird in einen Kreissaal gefahren, bekommt ein Kind in den Arm gelegt, was sehr zerknautscht ist und was man ab jetzt lieben soll und wird alleine gelassen.

Gegen halb 5 kamen wir drei auf Station, allerdings in ein anderes Zimmer. Morgens früh kam mein Mann mit der Familie wieder.

Der Weg zum Verzeihen

Alles in allem habe ich lange mit mir gehadert, dass ich final einen Kaiserschnitt wollte. Ich habe mir vorgeworfen, es nicht selbst geschafft zu haben. Nach fast 6 Jahren bin ich auf dem Weg, es mir zu verzeihen und zu verstehen, dass es wahrscheinlich doch eine gute Entscheidung war!

Über Angelina

Angelina ist Physiotherapeutin und Beckenbodenspezialistin. Sie arbeitet in eigener Praxis in Witten und hat unter anderem ein spezielles Angebot für Frauen mit einer Rectusdiastase nach Schwangerschaft. In ihrem Adventskalender geht es in diesem Jahr um hilfreiche Tipps zum Wochenbett. Alle Infos findest du auf Facebook und bei Instagram.

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