Marie: ungeplante HypnoBirthing Allein-Geburt

Weihnachten naht mit großen Schritten. Heute öffnen wir das 22. Türchen des Geburtsgeschichten-Adventskalenders. Dahinter steckt Maries ungeplante Alleingeburt. Beamen für Hebammen wäre manchmal ganz sinnvoll 😉 Viel Spaß beim Lesen!

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Halloween

Ich würde mit meinem Geburtsbericht gerne an Halloween, also dem 31.10 starten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits fast 6 Wochen Louwen-Ernährung geschafft, viele Tassen Himbeerblättertee getrunken, 4 mal Akupunktur gehabt und sehr viel scharfes Essen gegessen.

Ganz nebenbei war es der Tag, an dem unser Sohn vor etwas mehr als 20 Monaten das Licht der Welt erblickt hatte. Bei 39+1.

Es startete auch alles sehr viel versprechend gegen kurz nach 16 Uhr mit Wellen im 3 bis 4 Minuten Takt, an die 30 Sekunden lang. Ich saß also auf oder vor dem Pezziball und habe die Wellen veratmet. Mein Mann saß bei mir und gab mir zwischendurch die Light-Touch Massage.

Nach ungefähr einer Stunde entschied ich mich dazu, in die Küche zu gehen und mich um unser Abendbrot zu kümmern. Die Wellen verschwanden innerhalb von 15 Minuten leider komplett und kehrten auch nicht mehr zurück. Zumindest nicht an diesem Abend und die nächsten 3 Tage war es ruhig.

Akupunktur, Döner und Wellen

Am Samstag, 03.11 hatte ich dann noch mal einen Termin bei meiner Nachsorge-Hebamme um ein paar Akupunkturnadeln zu setzen. Schon morgens spürte ich immer wieder mal eine leichte Welle. Ich machte mir aber keine großen Hoffnungen, dass die Geburt bald losgeht. Nach 6 Wochen Louwen Ernährung gab es dann mittags zur Feier des Tages Döner. Weißmehl und Zucker auf Herrn Louwen. 

Anschließend habe ich mich noch eine Stunde schlafen gelegt, da mein Körper das dringende Bedürfnis nach Ruhe und Erholung kommuniziert hat.

Da mein Mann und ich vom späten Mittagessen noch satt waren, gab es gegen 18 Uhr dann nur für unseren Sohn etwas zum Abendessen. Nebenbei wurden die Wellenabstände ab 18.30 langsam regelmäßig. Ich konnte sehr gut spüren, dass sie am Muttermund wirken. Auch hier diente mir der Ball wieder als gute Hilfe zum Kreisen der Hüfte unter den Wellen.

Während ich also vor mich hinatmete und mich entspannte, hat mein Mann unseren Sohn ins Bett gebracht. Meine Wellen wurden in diesen 30 Minuten nun kontinuierlich intensiver. Und da ich nun wirklich meine ganze Konzentration brauchte, um die Wellen gut und effektiv zu veratmen, war mir klar, dass es diesmal kein falscher Alarm ist. Ich nutzte die Zeit zwischen den Wellen also, um Teelichter und Lichterketten im Wohnzimmer im Kallax und im Bücherregal zu verteilen und mich umzuziehen (gemütlicher Sport BH, T-Shirt, Sweatshirt-Jacke, Jogginghose und dicke Socken). Nebenbei liefen, wie bereits bei der 1.Geburt, die positiven Geburtsaffirmationen.

Während der Wellen kniete ich nun vor dem Sofa.

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Emilia Ligaya Comia – 04.11.18 – 1:00h – 48cm – 3380g. Foto: Marie Comia

Papa nickt ein

Die Wellen waren mittlerweile, gegen 20.30, schon recht intensiv und ich wünschte mir meinen Mann an meine Seite. Leider war dieser mit unserem Sohn eingeschlafen und ich überbrückte die Zeit solange alleine. Größtenteils kniend vor dem Sofa. Zwischendurch wechselte ich ins Badezimmer auf die Toilette. Zum einen um meine Blase leer zu halten, zum andere, war es eine angenehme Abwechslung.  Im Badezimmer begnügte ich mich mit dem Licht der Straßenlaterne, das durch unser großes Badezimmerfenster hereinfiel.

Als mein Mann dann wenig später im Wohnzimmer wieder zu mir stieß, bekam ich die Light-Touch-Massage und aufmunternde, positive Worte. Nebenbei versorgte er mich mit Wasser. Essen wollte ich nicht. Mittlerweile tönte ich auf „a“ und „u“. Im Wohnzimmer kniete ich weiterhin vor dem Sofa und legte Kopf und Oberkörper  nach den Wellen einfach auf dem Sofa ab.

Das Zeitgefühl hatte ich ein wenig verloren, wusste aber intuitiv, dass unsere Tochter auf keinen Fall vor Mitternacht das Licht der Welt erblicken würde.

Meine Oma hatte mir ungefähr 2 Wochen vorher, als wir uns das letzte Mal vor der Geburt gesehen haben, erzählt, dass mein Uropa am 04.11. Geburtstag gehabt hätte. Seinen 105ten dieses Jahr. Und ich war mir nun einfach sicher, dass Emilia sich genau diesen Tag ausgesucht hatte, um zu uns zu kommen.

Mein Mann verschwand gegen 10 Uhr nun noch einmal ins Schlafzimmer zu unserem Sohn, der wach geworden war und nach jemandem rief. Ich entschied mich, ins Badezimmer umzuziehen und auf der Toilette weiter zu atmen. Die Wellen waren nach wie vor gut zu veratmen, auch wenn sie kräftiger wurden. Im Badezimmer habe ich mich immer wieder im Stehen am Badewannenrand abgestützt.

Letzte Vorbereitungen

Mittlerweile war mein Mann wieder im Wohnzimmer und machte sich daran, das Sofa in Folie einzukleiden. Als er damit fertig war, bin ich wieder zurück ins Wohnzimmer. Das Einkleiden der Couch hatte einen blöden Nebeneffekt: Es war nun ziemlich rutschig und das alte Oberbett, dass ich mir für meine Knie vors Sofa gelegt hatte, rutschte bei jeder Bewegung. Sehr gewöhnungsbedürftig. Also bin ich wortlos noch mal ins Badezimmer zurück. Nach einigen Wellen entschied ich mich dann aber, doch wieder ins Wohnzimmer zu gehen.

Da mein Körper eine Pause brauchte, entschied ich mich dazu, mich ein wenig aufs Sofa zu legen.

Zwischen den Wellen nickte ich zeitweise weg, brauchte aber während der mittlerweile fast 90 Sekunden lagen Wellen meine volle Konzentration für die Atmung. Da Liegen sich aber nach 3 oder 4 Wellen nicht optimal für mich anfühlte, stand ich auf und nutze unsere Fensterbank zum Abstützen. Mein Mann übte nun, auf meinen Wunsch hin, während der Wellen Gegendruck auf mein Steißbein aus, was mir wirklich sehr gut half. Ich war voll und ganz darauf konzentriert, die Wellen zu veratmen. Reden konnte ich während der Wellen nun nicht mehr. Dazwischen kommunizierte ich nur, wenn es etwas Wichtiges zu sagen gab.

Mittlerweile hatten wir ungefähr halb 12 und ich wartete darauf, dass die Fruchtblase sich öffnet, da ich wusste, dass ich wieder viel Fruchtwasser habe. Ich hoffte, der Abgang des Fruchtwassers würde den Kopf rutschen lassen und dieser den Muttermund ganz natürlich weiter aufdrücken. Wie weit der Muttermund geöffnet ist, wusste ich natürlich nicht, da wir die Hebamme noch nicht dazu gerufen hatten und ich auch keine Untersuchungen hätte haben wollen. Auch wenn sie schon da gewesen wäre.

Wellen im Bad

Das Einzige was passierte, war ein Laut aus dem Schlafzimmer von unserem aufgewachten Sohn, der sich wünschte, dass ihn jemand wieder in den Schlaf begleitet. Mein Mann ist also noch mal im Schlafzimmer verschwunden und ich wieder ins Badezimmer, um in Ruhe tönen und atmen zu können. Ich wechselte nun ganz nach Gefühl zwischen Sitzen auf der Toilette und über den Badewannenrand gebeugt stehend. Im Stehen konzentrierte ich mich zusätzlich zur Wellenatmung darauf, abwechselnd ein Bein aufzustellen, um das Becken hin und her zu kippen.

Ganz intuitiv legte ich irgendwann zwischen 2 Wellen eines unserer großen Badehandtücher unter mich und atmete weiter.

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Unser erster Tag im Wochenbett; Foto: Marie Comia

Presswehen

Die Intensität der Wellen hatte sich in den letzten Minuten verändert. Sie waren gefühlt sehr, sehr lang und ohne große Pausen dazwischen. Da ich aber kurz vorher Kontakt zu unserer Tochter aufgenommen habe und ihr kommuniziert habe, dass sie jetzt gerne zu uns kommen darf, habe ich jede Welle angenommen und begrüßt.

Einige Wellen später veränderten sie sich noch einmal. Ich hatte bereits das Bedürfnis mit zuschieben. Letztendlich entschied ich mich zu einem leichten Schieben, bei dem sich die Fruchtblase nun endlich öffnete. Nachdem ich das nasse Handtuch gegen ein neues ausgetauscht hatte, entschied ich mich dazu, mich hinzuknien und lehnte mich über den Badewannenrand.

Endlich kam auch mein Mann aus dem Schlafzimmer und gesellte sich gegen kurz vor 12 wieder zu mir.

Ich teilte ihm mit, dass die Fruchtblase sich geöffnet hatte, ich aber gerne noch warten möchte, bis wir die Hebamme anrufen. Ich wollte diese intime Atmosphäre noch ein wenig aufrecht erhalten. Also hat mein Mann sich im Bad zu mir gesellt und mir beim Veratmen geholfen, indem er mich bei jeder Welle dazu anleitete, mich auf meine Atmung zu konzentrieren.

Gegen 10 nach 12 merkte ich dann, dass der Drang zu Schieben, anstatt mit jeder Welle nach oben zu atmen, immer stärker wurde und ich bat meinen Mann, unsere Hebamme anzurufen. Sie war noch wach und beim zweiten Klingeln am Telefon. Nachdem er aufgelegt hatte, teilte mein Mann mir mit, dass sie sich sofort auf den Weg machen würde.

Umstieg auf die J-Atmung

Er kehrte zu mir ins Badezimmer zurück und half mir weiterhin beim Veratmen der Wellen.

Da ich nun doch ein wenig neugierig war, fühlte ich zwischen zwei Wellen, ob ich schon etwas vom Kopf tasten konnte. Nein, da war nichts in Reichweite. Ich war ein bisschen enttäuscht, fokussierte mich aber nun noch mehr darauf, die Wellen effektiv zu bearbeiten und zu veratmen. Mittlerweile spürte ich einen immer stärkeren Drang, mitzuschieben und gab diesem langsam nach. Meinem Mann teilte ich zwischen 2 Wellen mit, dass ich nun auf die J-Atmung umsteigen würde. Er sagte mir also nun bei jeder Welle, dass ich mich auf die J-Atmung und die Rosenblüte konzentrieren solle, was auch super klappte.

Ich tönte weiterhin bei jeder Welle mit und ließ mich ganz darauf ein, was mein Körper und meine Gebärmutter an Rhythmus vorgaben.

Zwischendurch bat ich meinen Mann mir etwas zu trinken zu reichen, da ich langsam ins Schwitzen kam und durstig war. Es war nun ungefähr 0.40 Uhr und ich schaute immer wieder auf die Uhr, da ich langsam mit der Ankunft unserer Hebamme rechnete. Die Abstände zwischen den Wellen schienen sich gefühlt ein wenig zu vergrößern, was mich in den Pausen fast schon ungeduldig auf die nächste Welle warten ließ, da ich unsere Tochter nun endlich in den Armen halten wollte, was ich ihr nun auch mehrmals mitteilte.

Während der Wellen wechselte ich zwischen halb aufrecht auf den Knien und über den Wannenrand gehängt, um den Unterkörper locker lassen zu können. Mein Mann wich nicht mehr von meiner Seite und redete während jeder Welle beruhigend auf mich ein indem er mich daran erinnerte, mich auf die J-Atmung zu konzentrieren und mir die Rosenblüte vorzustellen. Während der nächsten Welle spürte ich nun, wie das Köpfchen ganz nah an den Dammrand kam. Nach der Welle rutschte aber alles wieder komplett zurück.

Geduld ist eine Tugend

Nun hieß es warten auf die nächste Welle, was leichter gesagt ist, als getan.

Auch mit der nächsten Welle kam das Köpfchen wieder sehr nah an den Dammrand, blieb aber nicht „stecken“, sondern rutschte wieder zurück. Während der Pausen hängte ich mich nach wie vor über den Badewannenrand und nutzte diese, um Kraft zu sammeln. Mit der nächsten Welle schob ich das Köpfchen nun wieder Richtung Damm und dieses mal rutsche es nicht wieder rein, sondern blieb beim Abflachen der Welle dort wo es war.

Da unsere Hebamme immer noch nicht da war, teilte ich meinem Mann mit, dass das Baby höchstwahrscheinlich gleich kommen würde und er es bitte auffangen soll.

Als nun die nächste Welle kam, hielt ich mich, mit aufrechtem Oberkörper, auf den Knien mit einer Hand am Badewannenrand fest. Die andere Hand tastete nach dem Köpfchen, dass nun in meine Hand rutschte, bevor ich Platz für Papas Hände machte, in die unsere kleine Emilia Ligaya nun in einem Rutsch geboren wurde.

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Erstes Kuscheln auf der Couch, Foto: Marie Comia

Mein Mann legte die Kleine aufs Handtuch ab, ich ließ mich auf die Knie sinken, nahm sie hoch und legte sie mir auf die Brust. Nachdem ich mich vergewissert hatte, dass die Nabelschnur nicht um den Hals lag und dass wir wirklich ein Mädchen bekommen hatten, warteten wir auf dem Badezimmerboden auf die Ankunft der Hebamme. Sie stieß circa 10 Minuten später zu uns und half mir als erstes bei der Geburt der Plazenta. Die Nabelschnur war bereits auspulsiert. Danach zogen wir zum ersten Kuscheln und Stillen aufs Sofa um.

Finn hat übrigens alles verschlafen und ist erst aufgewacht, als wir 3 uns zu ihm ins Bett gelegt haben.

Das Gefühl, dieses kleine Wesen nun endlich bei uns zu haben ist unbeschreiblich. Die Geburt wird mir immer als kraftvoll und selbstbestimmt in Erinnerung bleiben. Mein Körper, Emilia und ich haben genau das gemacht, was von der Natur vorgesehen war und ich denke wirklich sehr gerne an diese wunderschöne Geburtserfahrung zurück.

Über Marie

Marie, verheiratet und Mama von 4 Kindern, hat ihre letzten 3 Kinder  alle zu Hause auf die Welt gebracht. Seit 2017 ist sie ausgebildete HypnoBirthing Kursleiterin, Babymassage Kursleiterin und Wochenbett Coach. 2020 ist Marie dann auf Online Live Kurse umgestiegen und begleitet (werdende) Eltern von der Schwangerschaft bis ins Eltern sein. Nebenbei nutzt sie ihren YouTube Kanal, auf dem sie ihre letzte mitgefilmte Geburt veröffentlicht hat, um ihr Herzensthema bekannter zu machen: werdende Eltern mit HypnoBirthing auf eine angstfreie, als auch selbstbestimmte und informierte Geburt vorzubereiten.

Du findest Maries Angebote hier: https://sanftegeburt-hypnobirthing.de/

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