Sarah: Hausgeburt von Max Benedikt

Wir starten in die zweite Woche des Geburtsgeschichten-Adventskalenders mit Sarahs Geschichte. Sie gebar Max Benedikt zu Hause.

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Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Geburtsgeschichten-Adventskalenders 2023. Alle Folgen sowie Infos zu Gewinnspielen findest du unten.

Sarah: 21. Juli 2012 um 21.01 Uhr, Hausgeburt von Max

CTG am errechneten Termin

Wenn ich an die Geburt unseres kleinen Mannes zurückdenke dann überkommt mich zu allererst Stolz, dass ich das geschafft habe!

Wann es angefangen hat, ist für mich schwer zu sagen. Am errechneten Geburtstermin hat unsere Hebamme Martina erstmalig den Muttermund abgetastet und ein CTG geschrieben und ich war nach dem Termin ziemlich gefrustet. Mein Muttermund war noch zu, aber etwas weicher, und auf dem CTG war keine einzige Wehe zu sehen! Also bin ich erst einmal los um mich abzulenken und Frust abzubauen.

Am nächsten Tag dann die Überraschung: mein Schleimpfropf löste sich langsam und der Muttermund war fingereinlegbar! 🙂 Der erste Fortschritt Richtung Geburt war da, vielleicht mussten wir ja doch nicht mehr so lange warten?

Wehen kommen und gehen

Am Abend um etwa 23.00 Uhr, als ich im Bett lag und schlafen wollte, kam alle fünf Minuten so ein leichtes Ziehen, das gut auszuhalten war, was ich aber wegen seiner Regelmäßigkeit als Wehen identifizierte. Außerdem hatte ich die ganze Zeit Durst und musste ständig zur Toilette… So ging das über ein paar Stunden, schlafen konnte ich nicht, weil ich dafür viel zu aufgeregt war. Als ich die Wehen dann mal gestoppt habe, war ich erstaunt, dass sie vom Anfang bis zum Ende etwa 40-50 Sekunden angedauert haben, da ich sie als viel kürzer erlebt habe.

Irgendwann zwischen 2 und 3 Uhr hab ich dann Martina angerufen um zu hören, was sie dazu sagt. Sie meinte nur, die Wehen wären noch zu kurz und ich solle doch versuchen zu schlafen. Sie wäre gekommen, wenn ich es gewollt hätte, aber irgendwie war ich nach dem Anruf etwas beruhigter und ich wollte sie dann nicht wegen Nichts mitten in der Nacht durch die Gegend fahren lassen. Ich habe mir daraufhin dann ein Wärmekissen in den Rücken gelegt und bin tatsächlich eingeschlafen. Als ich gegen 6 Uhr wieder aufgewacht bin, waren die Wehen weg und ich ein bisschen enttäuscht.

Am Vormittag hatte ich dann wieder einen Vorsorgetermin und auf dem CTG war tatsächlich eine gaanz leichte Wehe zu sehen. Martina hat da auch wieder den Muttermund abgetastet und, voilá, er war mittlerweile 2-3 cm eröffnet! Man hat also einen deutlichen Fortschritt sehen können! Während Martina da war, war ich auch unglaublich müde, allerdings hat sich die Müdigkeit etwas gelegt, als sie weg war und ich habe trotz ihres Rats die ruhigen Vormittagsstunden auszunutzen und zu schlafen, leider nicht geschlafen.

Foto: Privat

Mittags habe ich Martina dann wie besprochen wieder angerufen und ihr gesagt, dass ich einfach nicht schlafen konnte… Wehen hatte ich die ganze Zeit in sehr unregelmäßigen Abständen. Die Wehen waren etwas intensiver als in der Nacht und haben auch ein bisschen länger angedauert, aber ich konnte sie noch immer gut aushalten. Sie meinte bei meinem Anruf gleich, sie komme dann schon etwas früher als geplant, da sie bereits am Vormittag angekündigt hatte, dass sie an dem Tag erneut vorbeikommen wolle…


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Geburtsreif

Als sie kam, begrüßte sie mich mit den Worten, „ja, so sieht eine geburtsreife Frau aus“ und hat ein CTG geschrieben. Ich war davon etwas genervt, ebenso wie später von den regelmäßigen Herztonkontrollen, die Martina während der Geburt durchführte, aber ich hab es über mich ergehen lassen. Sie erklärte mir später, dass jede Phase der Geburt so überwacht und dokumentiert werden muss, dass sie für einen eventuellen Gutachter auch 30 Jahre später auch von den Herztönen her nachvollziehbar sein muss. Ebenso sieht die Hebammenberufsordnung diese regelmäßigen Kontrollen vor.

Sie hat dann den Muttermund abgetastet und der war mittlerweile bei etwa 5 cm. Daraufhin hat sie meinen Mann runter geschickt, um den Geburts- und den Notfallkoffer zu holen, da unser Krümelchen wohl kommen wollte. Wir haben dann erst mal noch gemütlich Tee getrunken und Kuchen gegessen und mein Mann hat alles soweit vorbereitet. Mir war das aber alles zu viel Trubel und die ganzen Geburtsvorbereitungen wurden mir einfach zu viel, woraufhin auch die Wehen nachgelassen haben.

Fruchtwasser & Ruhe

Als Martina nach dem Tee erneut den Muttermund abgetastet hat, meinte sie, die Fruchtblase wäre ganz prall, die würde sich schon vorwölben und bestimmt bald platzen, woraufhin es gleich plopp machte und schön klares Fruchtwasser aus mir herauslief… Die Wehen wurden trotzdem nicht direkt stärker, es war mittlerweile etwa 15.00 Uhr und ich wollte einfach nur meine RUHE!!! Da ich auch kalte Füße hatte, bin ich dann erst Mal in die Badewanne, um wieder warm zu werden und hinterher ins Bett gekrochen, während ich die anderen beiden (Martina und meinen Mann) im Wohnzimmer hab sitzen und warten lassen. Langsam kamen dann auch wieder etwas stärkere Wehen und ich konnte entspannen. Ich hatte kurz vor der Geburt von Martina ein Büchlein bekommen, in dem eine Alleingeburt beschrieben war und hatte mir das ÜBERHAUPT nicht vorstellen können, aber in dem Moment war es für mich ein leicht nachzuvollziehender Gedanke, da ich einfach meine Ruhe wollte und die hat man einfach am besten und ehesten, wenn man allein ist…

Ich bin dann wieder zurück zu den anderen ins Wohnzimmer gekehrt die dort gesessen und geduldig gewartet haben… Ich glaube mein Mann hatte sich die Geburt in dem Augenblick definitiv anders vorgestellt gehabt!

Im Wohnzimmer habe ich mich aufs Sofa gelegt und alle auf Abstand geordert. Die Nähe war mir da einfach noch zu viel und mein Mann musste weiter am Esstisch warten.

Presswehen & Schmerzen

Das war dann auch der Augenblick, in dem ich zu unserer Hebamme meinte, dass mir das alles zu entspannt sei. Ich hatte mir eine Geburt immer schmerzhafter und schlimmer, irgendwie schwieriger vorgestellt, und bis dahin hatte ich immer nur leichte gut aushaltbare Wehen. Wenn eine Wehe kam, hab ich immer nur versucht, zu entspannen und tief zu atmen und konnte sie so wunderbar aushalten… Der Muttermund war mittlerweile bereits etwa 8 cm eröffnet und die Wehen wurden unangenehmer. Kurze Zeit später war der Muttermund dann fast ganz eröffnet, nur ein kleiner Saum hat noch gefehlt. Und dieser Saum hat mich auch gaaanz schön lange gequält… Martina meinte dann irgendwann, als sich nichts tat, ich könnte ihn ja versuchen weg zu pressen indem sie ihn bei einer Wehe auf die Seite schiebt und ich mitpresse… Gesagt getan, bei der nächsten Wehe hat sie ihn auf die Seite gehalten und ich wusste plötzlich, was Schmerzen sein können, da das höchst unangenehm war. In dieser Position habe ich mir dann wohl bei dem ganzen Pressen und der schrägen Kopfhaltung (wegen meinem Zopf) eine Blockade im Nacken geholt, die mich noch lange geplagt hat.

Mit dem Saum hatte ich ziemlich lang zu kämpfen, aber das Pressen hat mir die Wehen definitiv erleichtert, denn wenn ich dann mal ne Wehe veratmet habe, war das wirklich unangenehm!!! Ich bin dann immer wieder auf die Toilette gerannt und hab verschiedenste Positionen ausprobiert, aber irgendwie wollte es erst mal nicht so richtig. Langsam kam ich auch ans Ende meiner Kraft und ich hatte einfach keine Lust mehr!! Martina hat mich zwischendrin mal gefragt, ob ich ins hiesige Krankenhaus wollte, da sie meine Erschöpfung merkte. Mit einem Dammschnitt und der Saugglocke wäre das Baby dann bald da, aber das würde ich so schnell auch hier zuhause schaffen, wenn ich will. Ins DIAK wollte ich definitiv nicht, daher hab ich einfach weitergekämpft.

Jetzt weiß ich, warum es dann so lange gedauert hat (wobei es soooo lang nicht gedauert hat, wenn man sich andere Geburten anschaut, aber es hat sich für mich definitiv wie ne Ewigkeit angefühlt):

Geburt von Max

Mein Fehler lag darin, dass ich zwar die ganze Zeit immer gepresst habe, wenn eine Wehe kam, aber so gepresst hab, dass der Schmerz für mich ertragbarer wurde und das Ganze angenehmer war anstatt dass ich zum Schmerz hin gepresst habe, wie mir Martina geraten hat… Ich wollte die Schmerzen zwar unbedingt los werden und hab mir nichts sehnlicher gewünscht, als dass es vorbei ist, es hat aber trotzdem ne ganze Weile gedauert, bis ich dann eine gute Position hatte und bis ich umgesetzt habe, dass ich zum Schmerz hin pressen musste, damit es vorwärts ging. Der Schmerz wurde dadurch zwar schlimmer, aber ich habe auch richtig gemerkt, wie sich was getan hat und konnte förmlich spüren, wie sich der Kopf vorwärts geschoben hat. Irgendwann war es dann geschafft, der Kopf war da, und nur ein paar Sekunden später war das ganze Kerlchen da! Plötzlich ging es nämlich gaaaanz schnell! Die Nabelschnur hatte er einmal um den Hals, aber das hat ihn nicht beeinträchtigt, denn die Herztöne waren zum Glück während der gesamten Geburt stabil gewesen.

Am 21. Juli 2012 um 21.01 Uhr wurde er also geboren, unser Sohn Max Benedikt Raphael.

Foto: Privat

Ein großes Baby

Als ich ihn da sah, noch ganz blau, war mein erster Gedanke, oh Gott, ist er groß! Ich nahm ihn dann auch direkt auf die Brust . Ein wunderschöner Augenblick! Mein Mann war auch ganz gerührt! Der Kleine war super kräftig und hat die Welt erst einmal mit einem Schrei begrüßt, bevor er zu mir auf die Brust kam. Leider konnten wir kein Foto machen. Als Martina los wollte, um den Fotoapparat zu holen, meinte sie so, wenn es zieht, soll ich ihr Bescheid geben und just in dem Augenblick habe ich ein Ziehen verspürt. Sie war dann ganz schnell wieder bei mir, mein Mann hat die Nabelschnur durchgeschnitten und den Kleinen genommen und da kam auch schon meine riesen Plazenta! Sie hat sich zwar direkt komplett abgelöst, aber es kam auch recht viel Blut… Dadurch war dann ich diejenige, um die sich mit Medikamenten, die mir Martina gegen die starke Blutung spritzte, gekümmert werden musste und nicht unser Sohn, denn dem ging es super!

Aber das war kein Wunder, denn Benedikt war groß und kräftig! Mit 4050 Gramm, einer Länge von 55 cm und einem Kopfumfang von sage und schreibe 38 cm hat er nicht zu den Kleinen gehört! Er hat mir gleich zeigen müssen, wo es lang geht und was da auf einen zu kommen kann…

Nachversorgung

Leider ist mein Damm etwas gerissen und musste genäht werden. Angesichts des Kopfes ist es aber auch kein Wunder und es ist schon fast verwunderlich, dass der Riss nicht größer war. Als ich dann von Martina soweit versorgt war, durfte ich den Kleinen das erste Mal anlegen. Er hat sofort wunderbar getrunken, als hätte er nie was anderes gemacht…

Mein Mann war die ganze Zeit eine wunderbare Unterstützung und ist es immer noch! Ich weiß nicht, was ich die ersten Tage ohne ihn gemacht hätte, da ich durch den Blutverlust zunächst nicht aufstehen konnte. Hinterher meinte er dann so zu mir, dass man erst ganz am Ende bei den Presswehen hören konnte, dass ich grad vielleicht ein Kind bekommen würde, da ich leichte Pressgeräusche von mir gegeben hab. Vorher war ich mucksmäuschenstill gewesen. Die ganze Sorge, wir könnten ja die Nachbarn stören, war also völlig umsonst!

Foto: privat

Nochmal Hausgeburt?

Würde ich wieder eine Hausgeburt machen? Definitiv JA!!! Das nächste Kind steht bei uns schon fest in der Planung und bereits eine Stunde nach der Geburt habe ich zu Martina gesagt, dass ich mir die Plazenta dann halt beim nächsten Kind anschaue, denn die hatten sie wegen der Versorgung der Blutung zu schnell weggepackt, ohne dass ich sie hab genauer inspizieren können.

Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte und ich finde, ich habe sehr viel daraus mitnehmen können! Auch wenn es mir direkt nach der Geburt nicht so gut ging und ich nicht umherspringen konnte. Und wenn ich ganz ehrlich bin, diese Blockade ist typisch ich und es war klar, dass ich mir so was holen würde. War es nicht, aber im Nachhinein kann ich nur sagen, dass das typisch ich war.

Danke liebe Martina, dass du mich so toll begleitet und angeleitet hast und mir so viel Freiraum gegeben hast, danke mein Schatz, dass du für uns da warst und danke mein lieber Benedikt, dass du so fit warst und mir dadurch die Zeit gegeben hast, die ich gebraucht habe um dich ohne fremde Hilfsmittel auf die Welt zu bringen!

Alle Geschichten im Adventskalender 2023

An dieser Stelle werde ich alle bereits veröffentlichten Geburtsgeschichten des Adventskalenders 2023 auflisten. Aus technischen Gründen kann das ein paar Tage dauern. Du findest aber auch alle Geschichten hier.

  1. Michèle: Elisas Hausgeburt
  2. Lea: Beckenendlagengeburt nach erfolgloser Äußerer Wendung
  3. Manon: Hausgeburt von Claire
  4. Sarah: Hausgeburt von Max Benedikt
  5. Barbara: Ungewollter Kaiserschnitt
  6. Wanda: 103 Stunden Geburt
  7. Anna: Anouks Geburt im Geburtshaus mit Notfallverlegung
  8. Anne: Kaiserschnitt nach Schwangerschaftsdiabetes und erfolgloser Einleitung
  9. Martina: 2 mal Kaiserschnitt, VGA2C, Hausgeburt
  10. Bea: Aufgeben ist nicht das Ziel
  11. Gerit: Im Krankenhaus gibt’s keine Decken
  12. Verena: Persönlichkeitsentwicklung hoch Drei
  13. Julias Sternenkind: Geburt zuhause
  14. Marion: Loreley wurde tot geboren
  15. Maranda: Today my baby will be born
  16. Natalie: Hausgeburt einer Sternenguckerin
  17. Natalie: Mit Kaiserschnitt im Reinen
  18. Magdalena: Hingabe an den weiblichen Körper
  19. Sabine: versöhnliche Krankenhausgeburt nach außerklinischen Geburten
  20. Patricia: Hausgeburt im Wasser oder an Land?
  21. Stefanie: Dominik lebte nur fünf Tage
  22. Melissa: Wenn das Körpergefühl verschwindet
  23. Laura: Alleingeburt nach Kaiserschnitt
  24. Tanja: Der Kreislauf der Natur
  25. Bonus: Maria: Ungeplante Alleingeburt

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Katharina Tolle

Wie schön, dass du hier bist! Ich bin Katharina und betreibe seit Januar 2018 diesen Blog zu den Themen Geburtskultur, selbstbestimmte Geburten, Geburtsvorbereitung und Feminismus.

Meine Leidenschaft ist das Aufschreiben von Geburtsgeschichten, denn ich bin davon überzeugt, dass jede Geschichte wertvoll ist. Ich helfe Familien dabei, ihre Geschichten zu verewigen.

Außerdem setze ich mich für eine selbstbestimmte und frauen*-zentrierte Geburtskultur ein. Wenn du Kontakt zu mir aufnehmen möchtest, schreib mir gern!

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