Patricia: Hausgeburt im Wasser oder an Land?

Heute ist der 20. Dezember und im Geburtsgeschichten-Adventskalender erzählt Patricia heute von ihrer Alleingeburt in der heimischen Badewanne.

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Dieser Beitrag erscheint im Rahmen des Geburtsgeschichten-Adventskalenders 2023. Alle Folgen sowie Infos zu Gewinnspielen findest du unten.

Patricia: Hausgeburt im Wasser oder an Land?

Panik der Frauenärztin

Am 01.08 war der Entbindungstermin bereits um 5 Tage überschritten  und die Frauenärztin hatte mich zuvor am Dienstag verrückt gemacht mit ihren Ultraschall- und CTG-Ergebnissen. Meine Frauenärztin hatte mich nur 2 mal in der Schwangerschaft gesehen. Den Termin nach ET hatte ich auch nur wahrgenommen, damit die Hebamme damals die Geburt bezahlt bekäme.

Angeblich sollte unser Baby sehr klein sein und circa 2,5 Kilogramm wiegen und von der Entwicklung in der 34. Schwangerschaftswoche stehen geblieben sein. CTG sei auch auffällig und es deutete darauf hin, dass unser Baby unterversorgt sei und sehr bald eingeleitet werden sollte laut der Frauenärztin.

Sie meinte: „Die Hebamme kennt da bestimmt auch natürliche Wege der Einleitung.“ Am Freitag kam meine Mama vorbei und wir unternahmen einen ausgedehnten Waldspaziergang und machten ein schönes Picknick am See. Es war recht schwül und wir spürten, dass es an dem Tag regnen sollte.

Am Nachmittag wurde unser Großer vom Opa abgeholt und spontan zu den Großeltern mitgenommen und mein Mann fuhr mich zur Hebamme ins Geburtshaus, um mit ihr über alles zu sprechen.

Ruhe der Hebamme

Ich wollte, dass sie meinen Bauch abtastete und noch ein CTG schrieb, um mich selbst wieder in meine Kraft zu bringen. Meine Hebamme schätze unser Baby auf 3,2 kg und das CTG war unauffällig. Sie meinte: „Es deutet nicht daraufhin, dass die Geburt in den nächsten Tagen stattfindet.“ Sie sagte, dass es vielleicht nach dem Wochenende los gehen würde und dass unser Baby definitiv nicht unterversorgt sei.

Nach dem Gespräch mit ihr war ich total beruhigt und froher Dinge und entspannte mich wieder und fand in mein Vertrauen zurück. Über einleitende Maßnahmen wollte ich nicht nachdenken und allem seinen freien Lauf lassen. Zu Hause entspannte ich mich auf dem Sofa und wollte einen schönen Film ansehen und einfach an was anderes denken. An dem Tag aß ich recht viel und hatte das Gefühl, gut gesättigt zu sein.

Abendlicher Wehenbeginn

Um 23 Uhr hatte ich das Gefühl, dass ich bald den Sitzball brauchen könnte, und bat meinen Mann, diesen aufzublasen, bevor er ins Bett ging. So gegen 23:30 spüre ich das erste ganz leichte Ziehen im Unterleib.

Ich telefonierte gerade mit einer Freundin und wir scherzten noch rum, dass es vielleicht schon los gehe und konnten es uns beide nicht so richtig vorstellen. Nach dem Telefonat schaute ich dann noch den Film an und kreiste mit dem Becken, während ich auf dem Ball saß, und spürte nun, dass die Wellen intensiver wurden und gleichmäßig kamen und gingen. Ich sah den Film nicht bis zum Ende.

Es war ungefähr 1:30, als ich spürte, dass ich nun andere Positionen ausprobieren könnte. Ich ging mal in die Hocke, mal kreiste ich im Stehen mit dem Becken, während und zwischen der Wellen.

Nach ein paar Wellen spürte ich, wie etwas abfloss. Auf Klo sah ich den Schleimtropf mit etwas Blut abgehen. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass die Geburt an diesem Wochenende statt finden würde. Jedoch bin ich nicht davon ausgegangen, dass ich schon so bald unser Baby im Arm halten würde.

Die Wellen waren mal mehr mal weniger intensiv. Ich stellte fest, dass sie von Anfang an  alle zwei bis drei Minuten da waren und zwischen 30 und 45 Sekunden dauerten. Meine Hebamme meinte, effektive Wehen dauern mindestens eine Minute. Daher dachte ich zu dem Zeitpunkt, die Wellen seien eventuell noch Vorwehen.

Erst, als ich ein paar intensivere Wellen hatte, die ich veratmete spürte ich, dass es sich vielleicht doch um Geburtswellen handeln könnte.

Der richtige Ort

Ich sendete meinem Baby Liebe und Licht und die Wellen verschmerzten mit dem Gefühl und der Druck aufs Becken löste sich. Instinktiv stelle ich mich in den Türrahmen und gab mein Gewicht über den Türrahmen in die Erde ab.

Nach zwei bis drei Wellen hatte ich die für mich optimale Position gefunden und empfand den Druck nicht schmerzhaft. Oft löste sich der intensive Druck in einem Dehnen auf. Ich verspürte den Drang auf Klo zu gehen und mich zu entleeren.

Auf dem Weg dorthin spürte ich eine leichte aufsteigende Übelkeit und hatte nun deutlich das Gefühl, dass die Geburtskraft voranschritt. Auf dem Klo hatte ich zwei Wellen und spürte, dass die Abstände immer kürzer wurden. Ich hatte den Drang, oben ins Bad zu gehen.


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Im Bad war mir das Licht zu hell und ich musste wieder runter gehen, um die Geburtskerze zu holen. Ich wollte die Geburtskraft einladen und meinem Baby ein Signal schicken, dass ich bereit war.

Unten angekommen kamen die Wellen Schlag auf Schlag. Teilweise im 30-Sekunden-Takt. Im Türrahmen veratmete ich sie und bin dann schnell wieder ins Bad nach oben, um Badewasser einlaufen zu lassen. Die Geburtskerze war noch gar nicht fertig, also suchte ich noch schnell einen Wachsstift und malte eine Geburtsspirale drauf. Das war für mich der Weg, den ich ging, ähnlich wie durchs Labyrinth.

Geburt an Land oder im Wasser?

Während das Wasser in die Badewanne lief, machte ich die Geburtskerze an und lud meine Ahninnen und Frauen meiner Ahnenlinie und bat sie um Unterstützung, um in meiner Kraft zu bleiben und um mich bei der Geburt zu unterstützen. Im Kerzenschein rollten die Wellen nun aufeinander an und ich spürte, dass ich mich entscheiden muss, ob ich unser Baby an Land oder im Wasser bekommen möchte.

Vom Gefühl her konnte ich mir beides vorstellen und doch wollte ich das Wasser ausprobieren und stieg in die Badewanne. In der Badewanne nahmen die Wellen noch mal an Intensität zu und ich musste die für mich optimale Position finden. Bei ein bis zwei Wellen hatte ich das Gefühl, dass die Intensität mich kurzzeitig überrollen würde.

Dann lehnte ich mich zurück, öffnete mich und stützte mich mit meinen Armen nach hinten ab und mein Kopf sank in den Nacken. Diese Öffnung gab mir Raum und die Wellen waren wieder gut zu veratmen. Mit jeder intensiven Welle gab ich mich mehr hin und öffnete mich mehr.

Ja statt Schmerzen

Ich stellte mir dann eine Lotusblüte vor, die sich öffnete, und sagte zu meinem Muttermund: „Muttermund, du bist weit und vollkommen geöffnet.“ Ich begegnete jeder intensiveren Welle mit einem innerlichen Jaaa und spürte keine Schmerzen.

Es war oft ein Druck, den ich gut über die abstützenden Hände in die Erde abgeben konnte. Ich spürte, wie das Baby den Weg durch den Geburtskanal ging und der Bauch sich immer mehr absenkte.

Ich konnte äußerlich sehen und innerlich spüren wie weit es war und spüren wie sich mein Damm dehnte und der Kopf gegen den Damm drückte und unser Baby gleich geboren werden möchte.

Meine Atmung änderte sich wie von selbst. Ich konnte nicht mehr nach unten atmen, sondern musste durch den Mund die Luft auspusten. Zu gerne wollte ich etwas frische Luft, jedoch war ich aufgrund der Wellen, die hintereinander kamen, nicht in der Lage, das Fenster zu öffnen.

Da kam mein Mann rein, der von selbst wach geworden war und mich fragte, warum ich so atmen würde. Da ich bis dahin keinen Ton von mir gegeben hatte, ist er von mir nicht wach geworden.

Mit dem Baby sprechen

Ich bat ihn, das Fenster zu öffnen und sagte ihm, dass gleich unser Baby geboren würde. Er wirkte etwas erschrocken, da er damit nicht gerechnet hatte. Ein paar Sekunden später spürte ich die Presswehen anrollen. Ich tastete unten bereits den Kopf, der sich langsam den Weg nach draußen bahnte und spürte den „Ring of Fire“ und begann, mit dem Baby zu sprechen.

Immer wieder sagte ich ihm langsam wir haben Zeit mach langsamer. Ich spürte, dass ich unser Baby innerhalb einer Welle raus schieben könnte, jedoch eventuelle Verletzungen in Kauf nehmen würde, und entschied mich, es langsamer zu gebären, dafür die Dehnung länger und ein paar Wellen mehr in Kauf zu nehmen.

So ging der Kopf die nächsten sechs bis sieben Wellen rein und raus, bis er geboren wurde, und ich hatte meine Hand immer beim Köpfchen und spürte, wie es geboren wurde. Ich streichelte die Haare und dann gab es eine Pause.

Ich spürte, wie sich das Baby drehte und die Schultern sich positionierten. Nach der nächsten Welle kamen die Schultern noch nicht raus und so tastete ich nach den Schultern und schwups war unser Baby geboren mit der nächsten Welle unter Wasser in die Hände meines Mannes.

Er legte mir unser Baby auf den Bauch. Für mich war es unbeschreiblich, ich spürte solch eine Kraft. Ich hatte ein Gefühl von high sein oder stark berauscht und hatte das Gefühl, ich könnte das noch mal machen, und war überrascht, dass die Geburt schon vorbei war.

Alles ging so schnell und dabei kam es mir teilweise wie in Zeitraffer vor. Was für eine berauschende Geburt. Ich hatte nur in der Eröffnungsphase meine Probleme, in die Atmung zu kommen, da ich nicht so richtig in den Bauch atmen konnte. So hab ich halt so tief wie möglich geatmet und mich eher darauf konzentriert, nach unten zu atmen und meinem Baby Liebe und Licht zu schicken und entspannt zu bleiben und jede Welle zu begrüßen. Ich habe gespürt: Sobald sich die Verspannung oder leichten Verkrampfungen lösten, waren die Wellen schmerzfrei.

Mir kam mal der Gedanke, hoch zu tönen, jedoch fühlte es sich für mich nicht stimmig an. So habe ich keinen Ton von mir gegeben und war total in mir versunken und verbunden. Unser Baby ist genauso ausgeglichen und entspannt wie die Geburt. Circa zwei Stunden später kam die Hebamme und sie motivierte mich, mich mit der Plazenta Geburt zu beschäftigen. Ich wechselte die Positionen, bis die Plazenta geboren wurde. Geburtsverletzungen gab es keine. Ich sprang nach der Geburt vor Glück auf dem Bett herum und war so dankbar für diese tolle Geburtserfahrung.

Er wurde um 3:05 geboren. Es ging alles sehr schnell, da ich keine Angst nur Freunde und Liebe spürte.

Alle Geschichten im Adventskalender 2023

An dieser Stelle werde ich alle bereits veröffentlichten Geburtsgeschichten des Adventskalenders 2023 auflisten. Aus technischen Gründen kann das ein paar Tage dauern. Du findest aber auch alle Geschichten hier.

  1. Michèle: Elisas Hausgeburt
  2. Lea: Beckenendlagengeburt nach erfolgloser Äußerer Wendung
  3. Manon: Hausgeburt von Claire
  4. Sarah: Hausgeburt von Max Benedikt
  5. Barbara: Ungewollter Kaiserschnitt
  6. Wanda: 103 Stunden Geburt
  7. Anna: Anouks Geburt im Geburtshaus mit Notfallverlegung
  8. Anne: Kaiserschnitt nach Schwangerschaftsdiabetes und erfolgloser Einleitung
  9. Martina: 2 mal Kaiserschnitt, VGA2C, Hausgeburt
  10. Bea: Aufgeben ist nicht das Ziel
  11. Gerit: Im Krankenhaus gibt’s keine Decken
  12. Verena: Persönlichkeitsentwicklung hoch Drei
  13. Julias Sternenkind: Geburt zuhause
  14. Marion: Loreley wurde tot geboren
  15. Maranda: Today my baby will be born
  16. Natalie: Hausgeburt einer Sternenguckerin
  17. Natalie: Mit Kaiserschnitt im Reinen
  18. Magdalena: Hingabe an den weiblichen Körper
  19. Sabine: versöhnliche Krankenhausgeburt nach außerklinischen Geburten
  20. Patricia: Hausgeburt im Wasser oder an Land?
  21. Stefanie: Dominik lebte nur fünf Tage
  22. Melissa: Wenn das Körpergefühl verschwindet
  23. Laura: Alleingeburt nach Kaiserschnitt
  24. Tanja: Der Kreislauf der Natur
  25. Bonus: Maria: Ungeplante Alleingeburt

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Katharina Tolle

Wie schön, dass du hier bist! Ich bin Katharina und betreibe seit Januar 2018 diesen Blog zu den Themen Geburtskultur, selbstbestimmte Geburten, Geburtsvorbereitung und Feminismus.

Meine Leidenschaft ist das Aufschreiben von Geburtsgeschichten, denn ich bin davon überzeugt, dass jede Geschichte wertvoll ist. Ich helfe Familien dabei, ihre Geschichten zu verewigen.

Außerdem setze ich mich für eine selbstbestimmte und frauen*-zentrierte Geburtskultur ein. Wenn du Kontakt zu mir aufnehmen möchtest, schreib mir gern!

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