Bea: Hausgeburt mit Doula, Geschwistern und Hebamme

Heute ist der 17. Dezember und Bea erzählt von ihrer Hausgeburt. Es war anstrengend, aber eine tolle Erfahrung für Bea.

Geburtsbericht meines 5. Wunderkindes: geplante Hausgeburt mit Doula, Geschwistern und Hebamme

Bei mir stellten sich 8 Tage nach errechnetem Geburtstermin gegen frühen Nachmittag erste Wehen ein. Ich traf mich noch mit einer Freundin und deren Kindern auf dem Spielplatz und wir verbrachten den Nachmittag zusammen. Die Wehen waren zu dem Zeitpunkt noch gut auszuhalten und ich konnte noch alles machen. Meine Gebärmutter war nur ein bisschen zickig, wie ich sagte…

 Als ich mich dann abends von meiner Freundin verabschiedete und mit meinen Kindern zu Hause war, fingen die Wehen an intensiver zu werden. Nachdem die Kinder im Bett waren, installierte ich eine Wehenapp und habe angefangen, die Abstände der Wehen zu dokumentieren. Im Durchschnitt waren die bei alle 5 Minuten. Und von der Länge her bei 50 Sekunden. Ich informierte also meine Doula, dass ich seit dem Nachmittag regelmäßig Wehen habe, aber erstmal noch abwarte und mir mit meinem ältesten Sohn eine Pizza bestellen würde. Als das Essen dann geliefert war, konnte ich nicht wirklich etwas runter kriegen. Ich habe versucht in den Wehenpausen etwas zu essen, aber es klappte nicht wirklich.

Unterstützung durch die Doula

 Gegen kurz nach Mitternacht schrieb ich meiner Doula ein Update, dass ich mit dem Atmen nicht klar käme und total verkrampfe, ich aber nicht denke, dass sie sich schon auf dem Weg machen müsse, weil ich das Gefühl habe, es sei noch nicht so weit und die Wehen seien noch nicht stark genug. Sie fingen auch gerade wieder an unregelmäßiger zu werden, sodass ich echt gezweifelt habe. Die Doula hat sich trotzdem auf den Weg gemacht und das war auch gut so.

Ich wollte nicht, dass sie nachher umsonst kommt und hatte schon ein schlechtes Gewissen. Sie fährt gute zwei Stunden zu mir und ich wollte mir selbst sicher sein, dass die Geburt auch wirklich startet, das war ich aber nicht. Sie kam dann gegen 3 oder 4 Uhr nachts. Ich war in der Zwischenzeit nochmal duschen, hatte aber wenig bis fast keine Wehen mehr in der Zeit und war schon verzweifelt. Ich dachte mir: „jetzt kommt sie nachher umsonst“. Ich habe dann versucht mit Himbeerblättertee und einem Teelöffel Zimt die Wehen etwas zu fördern. Es war so ekelig!

mit meiner Doula

 Als meine Doula da war und sich erstmal einen Kaffee gemacht hatte, stellten wir einen Diffuser auf mit Lavendelöl und legten uns aufs Sofa. Es kamen wieder ein paar Wehen und ich habe versucht, diese mit ihr zu veratmen. Wir waren beide die ganze Nacht wach. Ich habe gezittert und gefröstelt, obwohl mir nicht kalt war. Wahrscheinlich einfach aus Erschöpfung und weil mir Zucker fehlte, meine Zähne klapperten richtig. Immer, wenn ich etwas Saft getrunken hatte, legte es sich. In den frühen Morgenstunden gönnte uns der Kleine eine Ruhephase und wir fingen an wegzudösen. 

Geschwister und Wehen erwachen

Um 7 wachten dann aber die Geschwister auf und auch die Wehen erwachten wieder. Ab da fing es dann an, echt heftig zu werden. Ich kann mich auch nicht mehr an alles ab da erinnern, weil ich diese Zeit wie im Nebel irgendwie nur noch wahrgenommen habe. Ich musste hörbar die Wehen vertönen. Im Vierfüßler waren sie heftiger als im Liegen.  Meine Fünfjährige massierte mir mit dem Igelball den Rücken, meine Dreijährige kuschelte mit mir und war unnatürlich ruhig. Meine Kinder bekamen von Marion, meiner Doula, Frühstück gemacht und ich weiß noch, dass ich meinen Kindern gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte, dass ich mich nicht mit ihnen an den Tisch gesetzt habe und ihnen Frühstück gemacht habe oder ihnen die Anziehsachen gegeben hatte.

Irgendwann war der Punkt erreicht, wo die Wehen so fies wurden, dass ich für mich selbst merkte: Ich stehe an einem Scheidepunkt. Ich sagte also, dass ich jetzt entweder in die Badewanne möchte, oder wir die Hebamme rufen und die gucken soll, wie weit der Muttermund sei. Meine Doula und ich entschieden, dass die Badewanne erstmal am sinnvollsten ist. So machte ich mir die Badewanne, kriegte kaum meine Klamotten aus wegen den Wehen und jammerte vor mich hin.


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Das heiße Wasser war eine richtige Wohltat für mich. Es war der einzige Ort, wo ich die Wehen als etwas erträglicher empfand und mich, zumindest am Anfang, entspannen konnte. Die Wehen wurden aber auch in der Badewanne immer heftiger und ich weiß nicht mehr, wann sich meine Doula ins Bad dazu schlich. Sie war aber dann auf einmal neben mir, reichte mir einen Waschlappen auf die Stirn und kümmerte sich nebenbei noch um meine Kinder.

Ich will ins Krankenhaus!

Ich jammerte immer lauter und schrie irgendwann auch einfach nur noch, dass ich jetzt ins Krankenhaus will und dass ich nicht mehr könne, eine PDA und einen Kaiserschnitt wolle, zwischendurch wollte ich auch den RTW und sagte, dass ich kein Kind kriegen kann. Meine Doula hat erst versucht, mich zu überreden, aus der Badewanne zu kommen, weil ich bei dem Schaum das Kind nicht bekommen könne, aber ich wollte nicht raus. Zwischendurch haben wir dann das Wasser einmal erneuert.

Ich wurde unter den Schmerzen stellenweise panisch und wollte nur noch, dass es aufhört. Ich tauchte etwas unter, haute gegen die Badewanne, strampelte und drehte mich im Wasser. Der Schmerz in den Wehen war für mich unerträglich. Ich hatte Angst davor, wenn der Kopf durch den Geburtskanal kommt, wollte es aufhalten. Ich konnte mir nicht vorstellen, das ohne Schmerzmittel zu schaffen.

Meine Kinder schauten immer wieder nach mir, meine Fünfjährige brachte mir zwischendurch Wasser zu trinken. Meine Doula hatte zwischendurch die Hebamme angerufen, die aber noch im Bett lag und meinte, sie sei in einer Stunde da. Ich dachte nur: „will die Hebamme mich jetzt verarschen?!“ normalerweise braucht sie nur eine gute halbe Stunde zu mir. Gefühlt brauchte sie auch wesentlich länger als die angekündigte Stunde, denn, als die Fruchtblase unter einer ziemlich heftigen Wehe platzte, was wir durch einen großen Blubb in der Badewanne bemerkten, war die Hebamme noch nicht aus ihrer Stadt raus. Die Doula hatte sie nämlich dann nochmal angerufen. 

Panik & Schmerz

Als die Fruchtblase gesprungen war, wusste ich, dass es jetzt kein Weg mehr zurück gibt. Noch mehr Panik kam auf. Ich traute mich nicht nach dem Muttermund zu tasten, weil ich wusste, dadurch kommen dann noch mehr Wehen, irgendwann tat ich es aber doch und ich fühlte etwas ganz Komisches. Der Pressdrang kam ziemlich schnell.

Ich wollte nicht aus der Wanne raus. Was mir unglaublich gut tat war, dass mir meine Doula mit der warmen Duschbrause Wasser auf den Körper brauste. Die einzig richtige Haltung in der Badewanne war seitlich liegend. Ich konnte mir nicht vorstellen mich irgendwie zu erheben.

Hebamme kommt mit der Kopfgeburt

In den Presswehen drückte ich ihre Hand, die auf einmal neben mir war. Ich fühlte während der Presswehen mit der anderen Hand, was die Presswehe macht, wie sie dehnt und ob das Köpfchen rauskommt. Die Hebamme kam gerade an, wo ich den Kopf dann rauspresste. Erst rutschte er nochmal zurück, in der nächsten Wehe presste ich ihn dann aber heraus. Es brannte an der Harnröhre und ich merkte auch, dass ich irgendwo gerissen bin. Es hieß, ich hätte es in der Nächsten Wehe dann geschafft und das gab mir dann auch den Motivationsschub mit der letzten Kraft meinen Sohn herauszupressen.

 Ich hatte die Hand mit dabei, als er rauskam und legte ihn mir sofort auf den Bauch. Es war so überwältigend. Ich fasste zum ersten Mal eine pulsierende Nabelschnur an, die noch halb in mir steckte. Die Nabelschnur pulsierte noch ziemlich lange. Zwischendurch fühlte ich immer mal nach. Die Wehen waren noch nicht ganz vorbei. Mein Köper brauchte etwas für die Plazenta. Die kam nämlich erst im Stehen und platschte dann laut in die Badewanne, die voller Blut und Gewebe war, sowas hatte ich noch nicht gesehen, hat mich etwas geschockt. 

Foto: privat

Ich bin dann raus aus der Wanne und wurde im Wohnzimmer dann versorgt und bei dem Kleinen wurde die U1 gemacht, wo ich im Nachhinein gerne daneben gestanden hätte. Ich habe aber direkt daneben auf dem Sofa gesessen und zugesehen. Die Geschwister standen drum herum. 

Ich musste dann noch genäht werden, was mir eigentlich klar war. Ich habe ja gespürt, wie ich gerissen bin, das Nähen, die Betäubungsspritze und das Rumdehnen ist echt nicht angenehm. Meine Mädels haben sich das aber ganz interessiert angesehen.

 Die Hebamme hat ihnen auch die Plazenta gezeigt und ihnen alles erklärt und auch ich habe bei meiner fünften Geburt endlich das erste Mal so genau die Plazenta sehen können. Der Kleine hat erstaunlich wenig geweint und ist bis jetzt auch sehr tiefenentspannt, außer, man lagert ihn um, oder wickelt ihn. Ich muss sagen, dass ich immer noch geflasht, aber sehr glücklich über die Erfahrung Hausgeburt bin und es sehr heilsam auch für mich war zu wissen, dass mein Körper das kann — ohne Schmerzmittel, Wehentropf und Oxitozinspritze. Auch nach der Geburt war es einfach schön schon zu Hause zu sein. Meine Doula hat sich rührend um meine Kinder gekümmert, sie bekocht und auch mich mit Essen versorgt.

Mein Dank an meine Doula

?Ich kannte zuvor nur Krankenhausgeburten. Ich hatte teilweise sehr interventionsreiche Geburtserlebnisse, die von Saugglocke, Dammschnitt, über Cytotec-Einleitung, fehlgestochener PDA, bis hin zu Kristellern eigentlich fast alles beinhalteten, um einen natürlichen Geburtsablauf zu stören. Ich kannte nichts anderes. Ich war es gewohnt, die „Regie“ über die Geburten, über meinen Körper, dem Krankenhaus zu übergeben.

Ich hatte es fast verloren: Dieses Gefühl Frau zu sein, mit meinen eigenen Kräften ein Kind ohne medizinische Hilfe auf die Welt bringen zu können, zu spüren wie mein Körper arbeitet, die Verbindung zu meinem Kind.

Jetzt war es wieder da.

Und meine Doula / Freundin war als Fels in der Brandung immer an meiner Seite. Ihr Mutzusprechen unter der Geburt hat mir einen Teil von mir wiedergebracht, den ich verloren habe — meine Würde und mein Vertrauen in mich.

Dass mein Körper das schafft, dass ich das schaffe. Was diese Geburtsbegleitung für mich bedeutet hat und wie sie immer noch nachwirkt, kann man ganz schwer in Worte fassen. Sie hat nachhaltig mein Leben verändert, mir anderen Zugang zu mir selbst eröffnet mich weiter, tiefer und schöner in mich selbst vordringen lassen, als ich es je zu träumen gewagt hätte.

Mir ist auch so bewusst geworden, was für Verletzungen der vergangenen Geburten ich verdrängt habe und als selbstverständlich angesehen habe. Ich dachte; Geburt ist halt so, aber Geburt kann schön sein, kraftvoll sein, selbstbestimmt sein und das habe ich nur dank meiner Doula kennen gelernt.

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